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Endlich ist sie da - Ella Endlich - und endlich ist ihr Album da, das mit einem kurzen „DA“ aufwartet. Und dieses „DA“ ist mehr als nur da sein, mehr als nur ein Wortspiel, es ist Ausdruck und Inhalt einer neuen Selbstverständlichkeit im Umgang mit deutscher Sprache im Schlager-Kontext. Klarheit statt leblos aneinandergereihte Zeilen, Verbindung von Poesie und Alltagssprache und eine bewusste Befreiung von Klischees des verstaubten Schlagers, ist die zentrale Vision mit der Ella Endlich antritt und überzeugen möchte. Nichts Unendliches in ihren Worten, nichts Unerreichbares in ihrer Person, sondern vielmehr der Wunsch ein wahrhaftiges Bild von ihrer Wirklichkeit zu zeigen, Nähe und Bewusstsein zu vermitteln, Widersprüchen zu folgen, innere Zerrissenheit zuzulassen und sowohl Mensch als auch Kind sein zu dürfen. Ihre Darstellung als Sängerin folgt diesen Prämissen, zeigen eine junge Frau mit unschuldigen Augen, jugendlicher Unbefangenheit und Ausstrahlung. Die bunten Kleider und die betont kurz gehaltene Frisur, mal mit Hut, mal mit Blumen in Szene gesetzt, untermalen das eigene starke Selbstbewusstsein, zeichnen sich aber auch für eine ebensolche Verletzbarkeit in der Welt von Ella Endlich aus. Sie zeigt unverblümt wie es ihr geht, lässt uns teilhaben an dem was sie bewegt. Mal ist es die Melancholie, die sie wie ein Schleier umhüllt, dann eine zum Himmel schreiende Freude und manchmal eben auch die große Liebe in all ihren Schattierungen. Einfältigkeit und Stillstand sowohl im äußerlichen Erscheinungsbild wie auch inhaltlich und vor allem persönlich scheinen bei ihr Fremdworte zu sein. Ihre bewusste Offenbarung in Form von Stil und Ästhetik, ihr Antrieb und Ziel nicht beliebig zu sein und zugleich einen Unterschied zu erzeugen, beeindrucken und berühren zutiefst und sind Grundlage ihres künstlerischen Schaffens bzw. Talent und Gabe zugleich. Ebenso offen, nach Raum und Inhalt suchend, versteht sie ihr Handwerk, ihre Passion, die Musik. Einfach präsent sein, einfach nur da sein, eben ohne Zweifel Ella Endlich sein, alleine daraus speisen sich ihre Texte, füllen sich ihre Lieder und spiegeln gleichsam ein buntes Kaleidoskop an Gefühlen und Stimmungen wider. Und diese Emotionen sind nicht in einem typischen Klang zu betten, bestehen nicht aus gleichen Instrumentierungen, sich wiederholenden Arrangements. Im Gegenteil. Stimmungen und Töne wechseln, Harmonien erzeugen Spielwitz und Lebensfreude, sind mutig und voller Energie. Ausgereifte Kompositionen und ein außergewöhnliches Melodien- und Rhythmusverständnis, das weit über den Tellerrand deutscher Spielweisen hinweg Ausschau nach anderen Spielarten hält, werden bis zum formvollendeten Werk veredelt. Die Stimme von Ella Endlich klingt darin immer als tragendes Element, unerhört stimulierend, sinnlich und voller Überraschungen. Die Idee, eine Song-Abfolge durch einen roten Faden zu verbinden, statt ein Dutzend Füller-Nummern um einen Hit zu platzieren, macht Ella Endlich zwar nicht zwangsläufig zum Vorreiter des deutschen Schlagers, zeigt aber, dass hier ein unerschöpflicher Quell an Ideen und Musikalität vorhanden ist. Manche mögen bereits eine neue Form des Genres ausfindig gemacht haben, finden Begriffe wie Neo-Schlager oder Schlager-Nonchalance, um Ella Endlich zu begreifen, sie zu verstehen und musikalisch einzuordnen. Es ist jedoch vielmehr die Zeitlosigkeit, die man der Berlinerin vor allem für ihr Debütalbum attestieren kann, darf und muss. Eine neu oder besser gesagt, eine wieder gefundene Leichtigkeit zieht sich durch Titel wie „Hier ist mein Herz“, „Gänsehaut“ oder „Komm lass uns fliegen“. So greift Ella Endlich ihre Facetten des Lebens auf, weil ihr eben danach ist, weil sie sie entweder selbst erlebt und erfahren hat oder sie ihr wichtig sind für eine musikalische Nachbetrachtung. Dazu Ella: „Alles was eine Sängerin braucht liegt im Text. Der Rest ist eh nur Wahnsinn. Was ich singe, kommt aus mir, ist Herz und Seele. Ich möchte mich selbst ergreifen, mich suchen und finden. Dabei hilft mir die Musik, das Wort, ein Text und schon bin ich meiner Wahrheit ein wenig näher gekommen.“ Das Ausformulieren ihrer Gedanken, sensuell und bildhaft, ist dabei der Schlüssel ihrer Interpretation. Mal Frau, mal Mädchen, die sich in ihrer Person so wunderbar ergänzen, schwingen in jedem Wort, jeder Zeile mit und lassen ein Bild der Ella Endlich entstehen, das auf Vielfalt und Komplexität beruht. Indizien dafür liefert gleich die Eröffnungsnummer des Albums, „Sehnsucht nach dem Gefühl“ mit Anreicherung von Elementen aus dem Chanson und Swing. Die Türe zur wunderbaren Welt der Emotionen öffnet Ella mit Widersprüchen, Momentaufnahmen und der Frage nach dem da sein oder dem nicht da sein. Leben, Verdrängung, Suche, Hingabe, all dies ist Botschaft und thematische Verzahnung in Perfektion mit der Erkenntnis das irgendetwas bleibt. Bei „Hier ist mein Herz“ löst sich der intellektuelle Anspruch zwar nicht, steuert aber zielstrebig auf einen ersten kommerziellen Höhepunkt des Albums zu. Mit dem Orchesterarrangement von Mark Scheibe und den Musikern des Berlin Revue Orchesters wartet eine ganze Armada von Instrumenten auf, die eindrucksvoll in Szene gesetzt werden. Ein pulsierendes Schlagzeug, fetzige Geigen, Trompeten, Posaunen und Saxophone treten in harmonischer Symbiose auf und verleihen der immer unter Volldampf stehenden Komposition einen wahrhaft instrumentalen Glanz mit dem Prädikat besonders wertvoll. In Kombination mit der unglaublichen Stimmnatur von Ella Endlich verströmt „Hier ist mein Herz“ das pure Leben, offenbart mit Witz und Leidenschaft die Liebe und setzt Vergleiche an, die es so noch nie zu hören gab. Gerade wegen oder durch dieses gewählte Arrangement ist dieser Titel zu etwas Großem gewachsen, das sowohl dem Freigeist die Luft zum atmen lässt als auch den Verkaufsaspekt mehr als gerecht werden dürfte. Ist „DA“ eine anspruchsvolle Platte geworden? Dafür ist sie viel zu unterhaltsam, viel zu verspielt. Ist sie von Hedonismus geprägt? Unbedingt und das in Mengen von Worten, Tönen und Akkorden! Allerdings steckt hinter der hedonistischen Oberfläche auch ein empfindsamer Mensch, der bei „Meine beste Freundin ist ein Mann“ in lässiger und angedeuteter 80´er-Jahre-Disko-Taktung mit Rat und Tat zur Seite steht. Beobachtungsgabe und Spürsinn bedarf es dann wiederum bei einem gute Laune Song wie „Der Sommer ist da“. Ellas Hommage an den Sommer ist bildhaft, ja sogar spürbar. Ihr gelingt es spielerisch Leben und Gefühl zu vermitteln, versetzt Ohr und Kopf mitten ins Geschehen und lässt viel Raum für eigene Empfindungen. Mit Flower Power zollt sie der schönsten Jahreszeit Tribut und wirkt dabei aufgewacht, farbenfroh und sommerverliebt. Eine wohltuende Lockerheit hat Einzug gehalten und manifestiert sich in der Theater-Parodie „Seitenverkehrt“ mit Jazz-Arrangement. Ironie, Charme und große Bühne, all das ist hörenswert und ausgesprochen unterhaltsam. Mit „Komm lass uns fliegen“ schickt Ella sich an auch einen Breitwand-Schlager-Refrain zu verwenden, der an Größe nicht zu überbieten ist. Ein klassischer Balladenaufbau, der jedoch durch punktgenaue Produktion zur Perfektion neigt. Bei soviel Stimme, soviel Stimmung ist Gänsehaut vorprogrammiert. Apropos „Gänsehaut“: Versteckte Botschaften, eine Liebelei und Bewunderung für Kopf und Körper sind Bestandteile dieser elektrisierenden Nummer. Ein weiterer Glanzpunkt auf „DA“, dem man sich nach einmal hören nicht mehr entziehen kann - garantiert! Wer sich jetzt vielleicht doch wieder zu unterhalten fühlt und wem der Anspruch wie immer zu kurz kommt, wird mit der Version von „If you could read my mind“ fürstlich entschädigt. Der Klassiker von Gordon Lightfoot wurde unter anderem von Barbra Streisand im englischen Original und von Daliah Lavi in deutscher Sprache mit dem Titel „Wär ich ein Buch“ interpretiert. Ella hat sich für den deutschen Text entschieden und schafft es ohne einzubüßen, den Welthit zu ihrem Hit zu machen. Ihre unverwechselbare Präsenz und ihr Stimmvolumen füllen „Wär ich ein Buch“ ohne Probleme aus, ja katapultieren es wieder in die Liga der genannten Damen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Ella Endlich mit dieser Leistung zu den neuen großen Stimmen in der deutschen Musikwelt gehört. Musikalisch dem Musical entsprungen und diesem durchaus auch zuzuordnen ist „Jemand der zaubert“. Eine in sich ruhende Komposition, die viel Platz für Stimme und Interpretation bereithält und die Ella Endlich auch eindrucksvoll zu meistern weiß. Wohltuend reduziert in der Instrumentierung und stimmlich mit Unschuld und Reinheit versehen, ist „Jemand der zaubert“ die wohl märchenhafteste, verspielteste Nummer nach „Küss mich, halt mich, lieb mich“. Mit der romantischen Ballade nach der Melodie aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ von Karel Svoboda ist Ella Endlich Ende 2009 ein Einstieg nach Maß gelungen. Beeindruckend, wie galant sie in die Rolle einer Märchenprinzessin geschlüpft ist. Einfach zum Verlieben! So konnte sich die Single von Null auf Platz 29 der deutschen Charts platzieren und erreichte kurze Zeit später mit Platz 12 ihre bisher beste Notierung in den Media Control Single Charts. 19 Wochen Chart-Präsenz, über 70.000 verkaufte Units und über 630.000 Aufrufe bei youtube stehen als Ergebnis bis heute fest. Und man darf weiter gespannt sein, wie „Küss mich, halt mich, lieb mich“ in der Winter- und Weihnachtszeit 2010/2011 entdeckt, gespielt und verkauft wird. Die in Weimar geborene und in Berlin aufgewachsene Künstlerin wurde von ihrem Vater, dem renommierten Arrangeur und Produzenten Norbert Endlich, schon sehr früh an die Musik herangeführt. Bereits mit zehn Jahren machte sie in einem Studio erste professionelle Gesangsaufnahmen. Nachdem sie während ihrer Schulzeit bereits Gesangs- und Tanzunterricht genossen hatte, unterzeichnete sie am 18. Juni 1998, ihrem 14. Geburtstag, einen Plattenvertrag - ein Datum, aus dem sich auch ihr damaliger Künstlername Junia ergab. Mit ihrer Debütsingle „It´s Funny“ landete sie ein Jahr später auf Anhieb einen Top-20-Hit in den deutschen Charts, was eine beeindruckende Präsenz im Fernsehen nach sich zog. Sie war zu Gast in zahlreichen Talkshows, trat dreimal bei The Dome auf und moderierte als Vip-Gast auf dem Sender VIVA. Doch nach knapp zwei Jahren wurde ihr der Rummel zu viel und sie entschloss sich, ihre vielversprechende Karriere als Popstar erst einmal auf Eis zu legen. Ein weiterer entscheidender Karriereschritt war im Jahr 2001 die Aufnahme an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München, wo sie Schauspiel, Gesang und Tanz mit dem Schwerpunkt Musical studierte und nach vier Jahren ihr Diplom mit Auszeichnung und Bestnoten bestand. Zu ihren zahlreichen Engagements zählen die Festspiele in Bregenz, wo sie in „La Bohème“ (2002) und „West Side Story“ (2003) mitspielte, diverse Inszenierungen am Prinzregententheater München sowie das Musical „Grease“ (2007) am Stadttheater St. Gallen. Hinzu kommen diverse kleine Rollen als Fernsehschauspielerin sowie die Auszeichnung mit dem Preis Medica pro Musica im Jahr 2005 im Hamburger Schauspielhaus. Ihr jüngster Bühnenerfolg ist das Theaterstück „Der Steppenwolf“ nach dem berühmten Roman von Hermann Hesse. In dieser Inszenierung des Hamburger Altona Theaters spielte sie an der Seite von Jochen Horst (Balko) mit großem Erfolg die Hermine. Mit „DA“ ist Ella Endlich ein erster Einblick in ihre fabelhafte Welt geglückt. Ihre Leitmotive des Lebens hat sie eindrucksvoll in Musik verpackt ohne den Zeigefinger zu heben. Bemerkenswert dabei ist ihre Vernetzung von Herz und Realität, reizvoll hingegen ihr Spiel mit Gegensätzen - eben da und hier sein - einfach Ella Endlich sein.
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