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Ihre Musik bewegt sich irgendwo zwischen Hardcore und Trance, Sänger Rou Reynolds klingt wie eine Fusion aus The Streets/Art Brut und Screaming á la Refused, und insgesamt bestimmen Energie und Wut das Klangbild von ENTER SHIKARI. Sie selbst nennen es Trancecore, und wer im letzten Jahr die internationale Live-Szene einigermaßen aufmerksam verfolgt hat, der wird ENTER SHIKARI auf Plakaten zusammen mit Alexisonfire, Billy Talent und Linkin Park entdeckt haben. Mit "Common Dreads" präsentiert das Quartett aus St. Alban sein zweites Album, das es auf der malerischen Isle Of Wight mit Producer Andy Gray aufgenommen hat. Dieser arbeitete nicht nur mit U2, Korn und Tori Amos zusammen, sondern schrieb auch den Lead-Song für die britische Big Brother-Show.
Die Geburt von "Common Dreads" fand in einem Gartenhäuschen in St. Alban im Sommer 2008 statt. Genauer gesagt, in einem Bungalow namens The Low; der im Garten von Chris Battens Eltern steht. Dort kamen Musik und Texte zusammen. Mit dem frisch geschlüpften Baby ging es dann ins Arreton Manor, ein Studio auf der Isle Of Wight, wo Andy Gray dazu stieß und sich der Erziehung des Neugeborenen annahm. Kaum zu glauben, dass sich in dieser ländlichen Gegend ein solch explosiver Bastard entwickeln konnte, der hinter seiner Maske als Club-Banger und Moshpit-Hero knallharte politische Statements verbirgt. Ein Soundtrack für eine Generation, die Party genau so wichtig nimmt wie Politik.
Man ahnt es schon: ENTER SHIKARI schauen sich um und sehen eine Welt der Rezession, der Paranoia, der staatlichen Kontrolle und des Zusammenbruchs des beschleunigten Kapitalismus'. Aber sie sehen mehr als das: ENTER SHIKARI sehen auch eine Ära voller Kreativität, Hoffnung, Menschlichkeit, Hedonismus und einer ganzen Menge Spaß. Die Revolution wird zwar nicht übertragen (wie Gil Scott-Heron einst beschwor), aber sie wird durch voll aufgedrehte Amps gejagt werden. So wie die erste Single "Juggernaut", die sich seit einigen Wochen ihren Weg durchs britische Radio bahnt.
"Politik ist unvermeidbar", erklärt Sänger Rou Reynolds. "Wir können nicht irgendwelche naive Musik schreiben. Ich persönlich kann keine schlaffen Soul-Songs darüber schreiben, wie toll ein Mädchen ist. Unser erstes Album war etwas kryptisch und mit Metaphern beladen, dieses dagegen ist sehr direkt. Seitdem uns die Leute kennen, haben wir festgestellt, dass wir sie beeinflussen können. Und wir haben die Pflicht, zu sagen, was uns beschäftigt." Was genau sind "Common Dreads"? "Es sind Sorgen, die man miteinander teilt", so Rou weiter. "Die Dinge, welche die Leute auf dem ganzen Planeten betreffen - Klimakatastrophe, Kriege, Terrorgesetze, die Überwachungsgesellschaft, moderner Imperialismus und die Folgen eines wilden Kapitalismus."
Aber mal Politik beiseite und das Ohr auf die Musik gerichtet. Da gibt es "Zzzonked", ein reiner Drum'n'Bass-Heavy Metal-Wahnsinn, "Antwerpen", eine durch den Wolf gedrehte Hardcore-Hymne und "The Jester", ein Jazz-getränkter, stampfender Absacker, der jede Festival-Crowd zu Boden wirft. "Common Dreads" ist ein Album für die späten 00er - eine dicke, fette Platte, die an allen Ecken und Enden vor Ideen auseinander zu platzen droht.
ENTER SHIKARI gründeten sich 2003 und benannten sich nach dem Boot von Rous Onkel. St. Alban befindet sich dicht genug an London, um aus der Metropole mit Musik bestrahlt zu werden, ist aber weit genug weg, als dass ein St. Albaner kritiklos hineinstolpern würde. ENTER SHIKARI gingen daher ihren eigenen Weg durch Hardcore Punk und Hardcore Trance, und während die Szenegänger sich von einer fiktiven Nu Rave-Welle blenden ließen, machten ENTER SHIKARI ihr eigenes Ding, das sich als interessanter - und dauerhafter - herausstellte. Etwas, das einen Nerv traf.
Am Anfang standen verschwitzte und gutgelaunte Shows mit Laserstrahlen, weit ausholenden Refrains und Kids mit Cygnet-Ringen, die ihre Fäuste in die Luft hoben. Es gab einige selbst produzierte Singles und EPs, und es gab Tony Wilson, der Seymour Stein auf ENTER SHIKARI aufmerksam machte. Dessen Reaktion: "Ihr seid keine Band, ihr seid eine Revolution!"
Im Sommer 2006 wurde es dann hektisch. Allein durch Mundpropaganda füllten ENTER SHIKARI das MySpace-Zelt auf dem Download-Festival bis auf den letzten Platz, und schon im November waren sie die zweite Band ohne Deal, die das Londoner Astoria ausverkaufte, gefolgt von zwei ebenfalls ausverkauften Shows im Hammersmith Palais. Das alles fern von jedem Plattendeal. ENTER SHIKARI gingen ihren Weg allein, in bester DIY-Manier. Und sie blieben erstmal dabei: So wurde ihr Debüt-Album "Take To The Skies" mit dem Einstieg auf Platz 4 der britischen Charts zu einem der erfolgreichsten selbst veröffentlichten Alben aller Zeiten. Gold kam natürlich postwendend.
Anerkennung kam schnell und reichlich in Form des NME John Peel-Awards for Innovation 2007 und gleich mehrerer Kerrang!-Awards. Das Debüt verkaufte sich inzwischen 250.000 Mal weltweit, und die Single "Sorry, You're Not A Winner" wurde satte sechseinhalb Millionen Mal auf YouTube gespielt. Diese und "Mothership" rotierten auf MTV und schafften auch den Sprung in die UK-Charts. Ebenfalls 2007 waren sie auf dem With Full Force-Festival und bei Rock am Ring zu sehen.
Jetzt kommt "Common Dreads", dessen politischer Ansatz ganz bürgernah begann, als ENTER SHIKARI sich den Protesten gegen Tesco anschlossen, als die Supermarktkette ein riesiges Einkaufszentrum auf ein unberührtes Stück Grün bei St. Albans pflanzen wollte. "Es war das erste Mal, dass wir uns an einer solchen Sache beteiligt haben", grinst Rou. "Und tatsächlich: gemeinsam haben wir gewonnen."
Musikalisch gesehen gibt es bei ENTER SHIKARI immer noch die Screamo-Punk-Vocals á la Refused, der sich mit dem "Mann-auf-der-Straße"-Slang von The Streets vereinigt. Die Big Beats von Prodigy blinzeln durch, ebenso wie pumpender Drum&Bass, euphorischer Trance, Altern-8-Style und allerdunkelster Dubstep. "Common Dreads" vereint die Stämme, spaltet die Kritik und befriedigt jeden, der das durchgedrehte Live-Spektakel je gesehen hat, das ENTER SHIKARI auf die Beine stellen.
"Wir stehen hauptsächlich für Einheit", schließt Rou. "Obwohl man sagen kann, dass dies ein politisches Album ist, wollen wir keine Ideen predigen. Unsere einzige Lösung für die Probleme ist: Zusammenkommen, Ideen austauschen und Spaß haben. Das ist der Weg von ENTER SHIKARI. Man ist nur einmal jung, und so ist es für uns wichtig, auch in dunklen Zeiten positiv zu sein."
In diesem Jahr werden ENTER SHIKARI live bei Rock am Ring / Rock im Park spielen: 5.-7. Juni!
© WMGG/tbe 05-09
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