EVGENY MRAVINSKY

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BIOGRAFIE

Evgeny Mravinsky (1906-1988) gehört zu den bedeutenden Persönlichkeiten des Musiklebens im Russland des 20. Jahrhunderts. Als Chefdirigent des Leningrad Philharmonic Orchestra prägte er das Profil des traditionsreichen Ensembles als einer der international führenden Klangkörper, obgleich nur wenige Tourneen (etwa 30 Gastspiele in 25 Jahren) und ausgewählte Aufnahmen in West-Europa Gelegenheit gaben, die bezwingende Präzision, Konzentration und subtile Farbigkeit von Mravisnkys Interpretationen zu erleben.

Warner Classics veröffentlicht jetzt in einer ansprechenden 12-CD-Box die Einspielungen des russischen Dirigenten für Erato, ein faszinierender Einblick in das umfassende Repertoire eines Meisters, der diesseits des eisernen Vorhangs mit Wilhelm Furtwängler verglichen werden kann.

Mravinsky wurde im Westen vor allem als Interpret der Sinfonien Shostakovichs bekannt. Der Komponist selbst hatte ihm schon die Uraufführungen seiner Sinfonien No. 5, 6, 8, 9 und 10 anvertraut. Über das russische Repertoire des 19. und 20. Jahrhundert hinaus, von Tchaikovsky und Mussorgsky bis zu Glinka, Glazunov und eben Shostakovich, profilierte sich Mravisnky auch mit seinen internationalen Aufführungen der Sinfonien Beethovens, des Musiktheaters Wagners wie auch als feinsinniger Mozart-Interpret.

Als junger Mann hatte Evgeny Mravinsky im post-zaristischen Russland eine Karriere im wissen-schaftlichen Bereich angestrebt. Doch als sein Vater starb musste er 1920 das Biologiestudium an der Universität in seiner Heimatstadt St. Petersburg aufgeben und nahm eine Stelle als Korrepetitor am Ballett an. Drei Jahre später schrieb er sich am Konservatorium zum Studium ein, und wurde Kompositions-schüler bei Vladimir Shcherbachov und lernte dirigieren bei Alexander gauck und Nikolai Malko. 1931 schloß Mravisnky die Studien ab und wurde Assistent und Ballett-Dirigent an der weltbekannten Bolshoi-Oper, wo er, abgesehen von einem Intermezzo 1934 beim Kirov Ballett bis 1938 blieb.

Der Gewinn des Moskauer Dirigenten-Wettbe-werbs der Sowjetunion versetzte Mravisnky in die Lage, seine Assistenten-Posten aufzugeben. Er wurde Chefdirigent des Leningrad Philharmonic Orchestra, eine Stellung, die er über vier Jahrzehnte (von 1938 bis 1982) ausfüllte, obwohl er schon bald auch Angebote aus dem Ausland bekam. 1954 wurde er als "Künstler des Volkes" geehrt, 1973 als "Held der Arbeit" doch sein Ruhm nahm sogar nach dem Rückzug des 76-jährigen aus dem aktiven Musikleben noch zu, als neue Editionen seine Aufnahmen aus den Jahrzehnten zwischen 1940 und 1980 einem breiten Publikum zugänglich machten.

Mravisnkys Einspielungen für Erato gehören zu den reifsten Aufnahmen des Dirigenten, der eine Verbundenheit mit seinem Orchester erreichte, die ihresgleichen sucht.