Kein Flashplayer installiert. Um die Seite anzuschauen, lade dir bitte unter dem folgenden Link den aktuellen Flashplayer kostenlos herunter
|
Die Geheimhaltung in den vergangenen Wochen war vergleichbar mit hohen politischen Sicherheitsstufen. Der Fund, um den es geht, ist schließlich eine pophistorische Sensation: Ein bisher unentdecktes Album von FALCO. München, 15. November. Es waren zwei Geschehnisse, die – unabhängig voneinander – zeitgleich abliefen. Obwohl beide Ereignisse in keinem unmittelbaren Zusammenhang zueinander standen und in ihren auslösenden Momenten ganz unterschiedlichen Ursprungs waren, hatten sie letztendlich zur Folge, dass nun Teile der jüngeren Pophistorie neu geschrieben werden müssen. In dem einen Fall begann Horst Bork, langjähriger Weggefährte und Manager von FALCO damit, seine Erinnerungen an die wild bewegten Zeiten damals aufzuarbeiten und in Buchform zu bringen. "Ich habe", sagt er, "einfach Jahr für Jahr, Monat für Monat, recherchiert und versucht mich an alles zu erinnern." Etwa zur selben Zeit geschah im ehemaligen Studio des FALCO Produzenten Gunther Mende ein kapitaler Wasserschaden, der um ein Haar die Vernichtung des gesamten dort noch lagernden Tonmaterials zur Folge gehabt hätte. "Eines Tages", sagt Mende, "riefen mich die neuen Besitzer an und meinten, sie müssten alle Archive leeren, um den Schaden zu beheben und wollten wissen, wo sie meine Masterbänder hinschicken sollten." Und nun wird der Kreis endlich rund. Horst Bork: "Als ich bei meiner Arbeit am Buch 'Die Wahrheit', im Jahr 1987 angelangt war, kam mir siedendheiß der Gedanke an die fertigen Masterbänder von Tracks, die eigentlich auf dem Album, das ein Jahr später unter dem Titel 'Wiener Blut' veröffentlicht wurde, sein sollten." Damals war ein Album rund um die finale Einspielung der legendären "Jeanny"-Trilogie geplant. FALCOs damalige Plattenfirma entschloss sich dann aber kurzfristig anders und sparte wesentliche Songs des Werkes für eine spätere Zeit auf. Für Bork begann damit Detektivarbeit: Er wusste, dass "The Spirit Never Dies (Jeanny Final)" und weitere Tracks bisher unveröffentlicht sind. Aber wo waren die Masterbänder? Existierten sie nach so langer Zeit überhaupt noch? Der Manager begab sich auf die Suche, telefonierte, sprach mit Weggefährten von früher, begann systematisch in den Archiven und Studiokellern nach dem Masterband von vor fast 23 Jahren zu suchen. Und fand die Master! "Es war Zufall. Ich rief Horst Bork an – und er sagte mir völlig verblüfft, er habe gerade den Telefonhörer zur Hand genommen, um mich zu kontaktieren", erzählt Produzent Gunther Mende. "Ich wollte Bork über meinen Fund im alten Studio informieren – und er wollte mich gleichzeitig nach dem Verbleib der Masterbänder fragen." Mende hatte beim Sichten der alten Materialien, die für Jahrzehnte unbemerkt im Frankfurter Studio gelagert werden, Brillanten gefunden. Schätze, deren späterer pophistorischer Wert zu dem Zeitpunkt noch gar nicht recht abschätzbar war. "Es waren die Mutterbänder der Aufzeichnungen von 1987." Für Mende eine unvergessliche Arbeit. "Ich war mit FALCO gut ein dreiviertel Jahr im Studio gewesen. Manchmal verabredeten wir uns für den nächsten Tag und er verschwand einfach vier Tage lang, um sich dann von Gran Canaria zu melden. Alle seine Utensilien hatte er im Hotel zurückgelassen und war in Jeans oder Jogginghosen und nur mit der Kreditkarte in die Sonne geflogen. Es war typisch FALCO, in kein Schema zu pressen, unvorhersehbar, aber auch genial." Das, was Mende mit ihm in diesen neun Monaten musikalisch erarbeitete, war eine kleine Sensation für alle FALCO-Fans und ist heute noch ein Juwel aus der Blütezeit des Wiener Rappers, mit teils verblüffenden Melodien-, Rhythmen- und Versfolgen. "Es waren", sagt Mende", "mit die ganz, ganz wenigen Stücke, auf denen man FALCO auch singen hört. Beim Titeltrack beispielsweise oder auch bei 'Kissing In The Kremlin'." Mit dem dritten Song der Jeanny-Trilogie "The Spirit Never Dies (Jeanny Final)", der auf diesem Album zum allerersten Mal zu hören ist, wollte FALCO die Geschichte des Mädchens Jeanny abschließen. Der Skandal um die erste Veröffentlichung 1985 hatte FALCO schlagartig berühmt gemacht und ihm fast noch mehr Aufmerksamkeit eingebracht als seine Nr. 1 Platzierung als erster deutschsprachiger Künstler in den US-Billboard-Charts. Nun war es aber nicht einfach, das alte Material für die heutigen Qualitätsansprüche nutzbar zu machen. Abgesehen von dem Wasserschaden lagerten die analogen Mehrspurbänder seit zwei Jahrzehnten in dem Kellerraum. Gunther Mende: "Ich fand schließlich in London eine Spezialfirma, die das Material in einem Inkubator aufheizte, so, als würde man Brötchen aufbacken, und es damit möglich machte, die Master noch vier- oder fünfmal abzuspielen." Das reichte für die digitale Bearbeitung. Das heißt nichts anderes, als dass man von dem alten Originalband eine digitale Kopie herstellte, die weiter bearbeitet, die Produktion der CD ermöglichte. Gunther Mende holte für die Endfertigung noch seinen Freund und Kollegen Peter Ries, ebenfalls ein namhafter Produzent und Arrangeur, ins Boot, um gemeinsam mit ihm dem Album den letzten nötigen Schliff zu geben. Mende: "Wichtig war es mir die Authentizität, das Ursprüngliche, des FALCO-Materials beizubehalten." Gemeinsam mit Mende schrieb Ries auf der Basis des vorhandenen Stoffs nur Intro- und Outro neu und ersetzte – bei einem Track – die Backing Vocals. Gunther Mende: "Wir wollten nicht FALCOS Arbeit neu erfinden, sondern den Fans ein rundes, authentisches Produkt abliefern. Auch wenn der eine oder andere Song heute so klingt, als wäre er eben erst produziert worden – das hat FALCO bereits 1987 eingespielt. Und diese 'Haltbarkeit' von Musik, Text und Rhythmus, ist eines der großen Erfolgsgeheimnisse des Künstlers FALCO." |