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Wenn GYMCLASSHEROES ihre Muskeln spielen lassen, dann fallen nicht nur Beats, kräftig dahin gerollte Raps und alle erdenklichen Formen von Sample-Zauberei, sondern dann gibt es dazu auch noch Spaß, Humor, Doppelbödigkeit und jede Menge unterhaltsame Spielchen. „As Cruel As School Children ist ein hundertprozentiges Sommer-Album“, so Frontmann Travis McCoy. „HipHop hat in den letzten Jahren weitgehend seinen Spaßfaktor verloren. Alle nehmen sich selbst viel zu wichtig und haben HipHop zu einer reinen Modeshow verkommen lassen. Wir wollten so viel Spaß wie möglich in die Vibes des Albums bringen.“ Gesagt, getan, gelungen. Die GYMCLASSHEROES auf dem Weg, den Fun im HipHop zu retten. Und das gelingt der vierköpfigen Formation aus Geneva, New York, zusammen mit den Produzenten S*A*M (Sam Hollander: Method Man, The Sounds, Earth Wind & Fire) und Sluggo (Dave Katz, alter Kollege von Who-Ikone Roger Daltrey) in Co-Produktion mit einem guten Kumpel namens Patrick Stump (Fall Out Boy). Für As Cruel As School Children haben GYMCLASSHEROES dazu noch einige Bekannte als Gaststars eingeladen: William Beckett von The Academy Is... (auf 7 Days) und Speech von Arrested Development, der sein unverwechselbares MCing für Biter’s Block zur Verfügung stellt. „Das ist eine echte Ehre,“ erklärt McCoy. „Ein Grammy-Künstler auf unserem Album. Ich kann gar nicht genug betonen, wie viel uns das bedeutet.“ Die GYMCLASSHEROES haben eine Vision, die weit über puren HipHop hinausgeht und erst da anfängt, wo Grenzen überschritten werden. „Unsere Musik hat ihre Wurzeln auf jeden Fall im HipHop,“ erklärt McCoy. „Aber sie beschränkt sich nicht darauf. Wir haben uns nie in eine Ecke stellen lassen, und deshalb fällt es uns leicht, vor ganz verschiedenem Publikum zu spielen - von Jam-Band-Fans und Death Metal-Fans bis hin zu HipHop-Fans.“ In der Tat: As Cruel As School Children ist voll von unterschiedlichen Grooves und organisch gewachsenen Stilbastarden. Nichts für Puristen, stammen die Einflüsse von extrem unterschiedlichen Künstlern, etwa von Klangprovokateuren wie Radiohead oder Interpol, aber auch von Balladenfachleuten wie Phil Collins und Hall & Oates. Wichtig für den Sound der GYMCLASSHEROES ist der funkgeprägte Mainstream des 80er-Jahre-R&B, zu dem auch Prince und Ready For The World gehören. „Ihre Musik war nicht nur locker und auf ihre Art unschuldig, sie war auch handwerklich sehr gut gemacht,“ stellt McCoy fest. „Einige der Arrangements hauen mich wirklich um. Es sind Songs, die für immer Gültigkeit haben. Das sind unsere Orientierungspunkte, und deshalb singe ich auch mehr als früher. Die meisten Rapper haben Angst vor Melodien. Warum bloß? Mann, mit Melodien kriegt man die Girls!“ Und so basteln GYMCLASSHEROES schließlich an einer frischen und unschuldigen Vision des R&B - nicht nur grausam, auch so naiv und neugierig wie Schulkinder. Bei den GYMCLASSHEROES sieht auf den ersten Blick alles anders aus, als es auf den zweiten ist. So klingt das Album zwar fast durchgehend sommerlich beschwingt, aber oft haben die Texte einen ernsten Hintergrund, etwa The Queen And I: „Das ist ein sehr persönlicher Song,“ erläutert Travis. „Es geht um Girls, die gern Alkohol trinken und etwas zu viel gute Zeit haben wollen. Ich bin ein bißchen auf die Idee von Girls und Alkohol fixiert, und der Song erzählt ein ziemliches Drama, obwohl man das bei dem Vibe nicht ahnen würde. Aber so macht Musik wirklich Spaß. Man hat einen Song, der hört sich locker und poppig an, und wenn man auf die Texte achtet, dann denkt man: ‚Moment mal, hat der das eben wirklich gesungen...?’ Wenn man nicht hinhört, denkt man, das ist nur ein üblicher Radiosong, und dann offenbart sich plötzlich viel mehr als das.“
So der rote Faden, der sich durch da ganze Album zieht: An der Oberfläche: Spaß und lockere Beats - darunter: scharfer persönlicher oder gesellschaftlicher Kommentar. Bis hin zum Titel: „Eine Metapher für die Welt in der Gegenwart. Sie schlängelt sich durch Mittagsgeld-Erpressungen und Unsicherheiten. Wenn Du das begriffen hast, dann kannst du dich entschließen, deine eigenen Regeln aufzustellen und auf die Meinung der anderen zu pfeifen. Dann erst fängst du an, dein Leben zu leben.“ Von Anfang an haben GYMCLASSHEROES sich dieser Philosophie der Unabhängigkeit verschrieben, auch musikalisch. „Wir spielen nach unseren eigenen Regeln,“ bestätigt McCoy. „Wir sind nicht daran interessiert, uns, oder das was wir machen, irgendwie zu verändern, um jemand anderen glücklich zu machen. das macht es umso cooler, wenn Leute auf uns aufmerksam werden.“ Die Wurzeln von GYMCLASSHEROES reichen bis in das Jahr 1997 zurück, als McCoy den Drummer Matt McGinley in einem Sportunterricht traf (wo sonst?). Und als die beiden Freunde Anfang 2001 Gitarrist Disashi Lumumba-Kasongo und Bassist Eric Roberts dazu holten, waren GYMCLASSHEROES offiziell gegründet. Ihr Ziel: Eine neue Farbpalette für HipHop zu entwickeln und sie mit Live-Instrumentierung packend auf die Bühne zu bringen. Monatelang gingen sie auf Tour, und der ersten musikalischen Präsentation For The Kids folgte 2003 The Papercut Chronicles. Peter Wentz, Gründer des Labels Decaydence wurde auf sie aufmerksam und signte sie für Decaydence/Fueled by Ramen. Die folgenden zwei Jahre taten sie, was sie am besten können: Touren. GYMCLASSHEROES spielten eine fast ausverkaufte Headliner-Tour durch die USA, reisten bei Vans Warped mit und gingen auf Welttournee mit Fall Out Boy. Anfang 2006 ging es von der Straße ins Studio - um mit As Cruel As School Children ihr Meisterwerk einzuspielen. „In gewissem Sinne sind wir das Kid auf dem Artwork,“ schließt McCoy. „Jeder hat so seine Idee davon, wer er ist und wer er sein müsste. Er lächelt, aber er ändert sich nicht. Stattdessen wartet er und beobachtet die Welt um sich herum, bis sie ihre Standards ändert. Dieses Album ist der Mittelfinger, den er der Welt entgegenhält...“
© WMGG Records / tbe
Hamburg, im Juli 2006
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