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György Ligeti gehört zu den prägenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, kompromisslos in der permanenten Fortentwicklung seiner Klangsprache ohne sich in den Sackgassen der akademischen Avantgarde zu verirren. Es gehört zu den Glücksfällen der Musikgeschichte, dass die Werkschau 'The Ligeti Project' von 1999 bis 2004 in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten selbst fertig gestellt werden konnte. Ligeti gab nicht nur hilfreiche Anweisungen zur Interpretation seiner Kompositionen und wählte die ausführenden Musiker und Klangkörper, er half auch bei der Auswahl der hier versammelten Werke, die einen Überblick über sein vielgestaltiges Œvre – und damit auch einen Einblick in die Entwicklung der Musik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geben. Bei der Planung dieses 'Ligeti Project' fand der Komponist in der Rückschau zu einer Neube-wertung seines eigenen Frühwerks, so präsentiert beispielsweise schon die zweite von fünf CDs das 'Concert Românesc' von 1951, das Ligeti wegen seines folkloristischen Habitus noch 1969 im Interview als "Gipfel meines kompositorischen Missverständnisses" bezeichnet hatte. In einer Welt-Ersteinspielung durch die Berliner Philhar-moniker unter Jonathan Nott steht dieses Werk jetzt neben den innerlich bewegten Clustern der 'Apparitions' (1958/59), den kontinuierlich fluktu-ierenden Klangfarben der 'Atmosphères' (1961), den harmonischen "Kristallbildungen" von 'Lontano' (1967) oder der 'San Francisco Polyphony' (1973/-74). Ein Programm, das die wichtigsten Linien in der Entwicklung Ligetis vom in Ungarn isolierten Nachfolger Bartóks über die Vermeidung von Rhythmus, Harmonie und Melodie in den 'Atmospheres' und schließlich der Entwicklung einer Klangsprache "jenseits von Avantgarde und Postmoderne" (Floros 1996), inspiriert von außer-europäischen Polyphonien, der physikalischen Chaostheorie und der fraktalen Geometrie: poly-ryhthmische und mikrotonale Klangräume, die dennoch hie und da ihre Verwandtschaft zu spätromantischer Emotionalität nicht verleugnen. Ligeti war 1956 aufgrund seines Briefkontakts zu Karl-Heinz Stockhausen nach Köln gekommen und hatte, ein in Ungarn bereits selbst bekannter Komponist, eine Stelle als Assistent im elektron-ischen Studio des WDR bekommen. 'Artikulation for Tape' von 1958 repräsentiert auf der CD V des 'Ligeti Project' die Bemühungen, eine reine, körperlose Musik zu schaffen, die an den damaligen Möglichkeiten der Studiotechnik ihre Grenzen fanden. Die 'Musica Ricercata', zwölf Sätze für Klavier von 1951 und auf der selben CD enthalten, zeigen Ligetis Aufbruch von der Basis seiner eigenen Volksmusik-Studien aus in eine chromatische, anti-harmonische und individuelle Klangsprache: "Im kommunistischen Ungarn waren Dissonanzen als antisozialistisch verboten. Ich entschloss mich als Reaktion darauf, eine Musik zu schreiben, die aus den verbotenen kleinen Sekunden bestand." Die Auseinandersetzung mit dem Totalitarismus, den Ligeti selbst in seinen beiden Extremen kennen lernte, lieferte den Stoff für seine Oper, deren Musik im 'Ligeti Project' auf CD I in einer weiteren Welt-Ersteinspielung der 'Mysteries of the Macabre' vertreten ist. Die Aufnahme des 'Hamburgischen Konzertes' schließlich (CD IV), im Rahmen der Uraufführung 2001 entstanden, gehört zu den letzten Zeugnissen des Komponisten György Ligeti. Er starb 2006 in Wien.
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