MUSIQ SOULCHILD

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BIOGRAFIE

Er veredelte seine ersten beiden Alben mit Platin, erhielt Grammy-Nominierungen (insgesamt bisher vier Mal) für fast alles, was er an die Öffentlichkeit brachte, und gilt als die Soulgröße der Gegenwart. Mit seinem vierten Album Luvanmusiq wechselte MUSIQ SOULCHILD nun von Def Jam zu Atlantic, und diesmal sollte es mit dem Grammy eigentlich klappen. „Das erste Ziel für diese Album ist, mich wieder ins Gespräch zu bringen,“ erklärt MUSIQ SOULCHILD – als hätte er dies wirklich nötig. Schließlich rechnet man ihn seit Aijuswanaseing (2000), Juslisen (2002) und Soulstar (2003) als einer der innovativsten Soulköpfe des neuen Millenniums. Mit großartig ohrgefälligen Songs, die Old-School-Soul mit modernen Hiphop-Beats verbinden, hat er allein in den USA mehr als drei Millionen Alben verkauft und eine ganze Kette von Awards mitgenommen.
Aijuswanaseing und Juslisen erhielten jeweils Platin, dazu regnete es Billboard-Awards, Soul Train Music Awards und ASCAP- Award und weitere einschlägige Renommiertheiten. Nominierungen gab es unter anderem für den Grammy, den American Music Award, BET, NAACP und so weiter. Auch das dritte Album Soulstar kam in die engere Wahl für einen Grammy und wurde mit einem Soul Train-Award ausgezeichnet. Kurz darauf gab es eine weitere Nominierung für den Jimi Hendrix-Tribute Are You Experienced? von der Compilation „Power Of Soul: A Tribut To Jimi Hendrix“ in der Kategorie „Best Urban Alternative“.

„Ich bin für eine kleine Weile weg gewesen,“ schließt MUSIQ SOULCHILD an. „Das Geschäft hat sich verändert und ich habe mich verändert, persönlich, mental, psychisch. Auf die bisherigen drei Alben blicke ich zurück als wären es Grundschule und Mittelschule. Und mit Luvanmusiq ist es so, als ginge ich auf College.“ Und College klang nie so gut wie jetzt.
Luvanmusiq ist vollgepackt mit erstklassig ausgearbeiteten Songs, die den Soul auf ein Level bringen, das MUSIQ SOULCHILD immer erreichen wollte. Vom funkigen, HipHop-getränkten Buddy bis zum wundervollen Teach Me und das Stevie Wonder-eske Questions, ist das gesamte Album eine offenherziges Manifest für Herz und Seele. Es ist eine Sammlung von Reflektionen und Gefühlen eines Mannes, der die Reife des Erwachsenseins genießt und der keine Zeit für die kindlich anmutenden Spielchen mit Sounds hat, die die moderne Musik zu beherrschen scheinen. Luvanmusiq ist die Musik eines Mannes, der sich behaupten kann und nicht mehr von jugendlichem Überschwang getrieben wird.

„Ich möchte Songs performen, die eine realistische Perspektive auf das Leben haben,“ erklärt er. „Viele Leute benutzen Songs für Eskapismus und ästhetische Poesie, aber ich denke, die Menschheit hat sich doch weiterentwickelt. Ich möchte Menschen ermutigen, so zu denken. Hört mal,“ ergänzt er lachend. „Ich bin nicht mehr 21 Jahre alt, ich rede nicht mehr über die selben Sachen wie früher.“ Stattdessen sucht er neue Wege, wie etwa bei Buddy, das eines der besten MC-Performings enthält, die der R&B je gesehen hat. „Ich hab mich ganz locker ins MCing eingearbeitet, obwohl ich es schon wirklich lange machen wollte,“ so Musiq. Ich hab mich lange nicht dazu durchringen können, weil ich Respekt vor der Kunst des MCing habe. Das ist nichts, wo man mal eben auf den Zug springen kann. Ich liebe HipHop und die Idee des HipHop. Seine Kultur, die Basis und das Fundament. Und ich will meinen Teil dazu beitragen. Stück für Stück, denn mein musikalisches Spektrum ist größer als das, was man bisher von mir gehört hat.“

MUSIQ SOULCHILD konnte dem Sound von James Brown (R.I.P.), Patti Labelle und Sly & The Family Stone in seiner Jugend gar nicht entkommen. Denn Talib Johnson, so das Groove-Genie hinter MUSIQ SOULCHILD, wuchs in Philadelphia als Sohn eines Die-hard-70er-Jahre Soul-Fans auf. Dementsprechend wuchtig und zugleich leichtfüßig sind die Songs auf dem Album, die an gekonnten Ornamenten und beeindruckenden Vocal-Lines reich sind wie kaum ein anderes Album.
Die erste Single Buddy steckt voller Souldrive und wahrhaftig gefühltem Songwriting. Wuchtig schiebt es sich voran und wartet mit allem auf, was gut und schön ist: tief liegende Basslines, pointierte Bläser und akzentuierte Streicher, ein schwebendes Rhodes-Piano und vorzüglich arrangierte Vocal-Sätze. Und doch ist der Track unverkennbar ein Kind von Heute, mit packenden Leadvocals zwischen Soulvoicing und Raplicks und einem unwiderstehlich mitreißenden Groove. Hut ab vor dem Hit!

Als ältestes von neun Kindern hat der in Philly geborene Musiq schon einiges durchgemacht. Mit 17 flog er von der Schule und lag auf der Straße. Heute weiß er, dass er auch Fehler gemacht hat. „Nun ja, ich hätte mir die Schule und all das zunutze machen können,“ sagt er rückblickend. „Aber damals fühlte ich mich einfach bevormundet. Wenn man jung ist, will man das, was der Moment bestimmt und man hat keinen Durchblick.“ Um über die Runden zu kommen, musste er miese Jobs machen und bei Freunden auf der Couch schlafen. Aber auch wenn es am schlimmsten kam, wenn er keinen Schlafplatz bei Freunden bekam und in U-Bahnen oder auf Parkbänken unterkommen musste, fand er einen kreativen Weg aus der Situation.
„Es ist verrückt,“ so sagt er heute. „Wenn ich auf mein Leben blicke, stelle ich fest, dass es damals ziemlich übel war, aber es kam mir nicht so vor. Klingt vielleicht neurotisch oder so, aber ich wusste, dass das alles nur ein Film war, und dass ich durch den Teil des Filmes gehe, in dem der Held ganz unten ist. Du konntest mir das Gegenteil erzählen, aber ich wusste, dass es so war, wie ich dachte.“

Aber auch zu seinen schlechtesten Zeiten gab es immer Musik, und Musiq erinnert sich immer noch dran, wie er Luftgitarre oder Tisch-Piano spielte und mit seinem Vater zusammen Stevie Wonder- und Donny Hathaway-Songs sang, lange bevor er wusste, was die Texte bedeuteten. „Aber ich merkte, dass ich etwas konnte: singen. Und das war etwas, wo ich besser werden konnte und was ich tun konnte und was mir die Aufmerksamkeit der Menschen brachte.“ So viel Aufmerksamkeit, dass er das, was er liebte, und wofür er in Philly bald bekannt war, zu seinem Namen machte: Musiq. „Es gab viele Leute, die von mir wussten, die mich aber nicht kannten. Sie kannten mich nur als „dieser Music-Dude“ Und irgendwann hab ich dann gesagt: ‚nenn mich einfach Musiq’, wenn mich jemand fragte, wie ich hieß. Das war neu für mich, aber wenn ich irgendwie genannt werden wollte, dann Musiq.“ Und Soulchild? „Musiq Soulchild sind zwei Seiten einer Idee. Musiq ist der Frontmann und Soulchild die Idee dahinter. Das bin ich als Künstler meiner Generation, und ich verkörpere die Traditionen und das Erbe der vergangenen Soul-Stars.“

Für Musiq, der seine Stimme und seine Erfahrungen dem Erbe der großen Soulkünstler hinzufügt, bedeutet Musik Erlösung, Liebe, Mysterium, Gemeinschaft, Leben. Und er sieht seinen Platz klar vor sich. „Ich muss mit gutem Beispiel vorangehen,“ sagt er. „So viele Künstler meckern und beschweren sich, aber ich sage immer: ‚Dude, was trägst du zur Veränderung bei?’ Ich versuche, mich zusammen zu reißen und meinen Teil dazu beizutragen. Und ich hoffe, dass ich genug Leute inspiriere, den Wechsel herbeizuführen. Damit meine ich, dass die Dinge so werden sollten, wie sie einmal waren – nicht nur weil die Musik damals so großartig war, sondern damit wir sie auf ein neues Level führen können, die Gegenwart und auch die Vergangenheit!“

Und wie das klingen wird, davon gibt uns MUSIQ SOULCHILD einen hervorragenden Vorgeschmack: Mit Loveanmusiq.

© WMGG/tbe