NIKOLAUS HARNONCOURT

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BIOGRAFIE


Nikolaus Harnoncourt
ist schon jetzt eine lebende Legende. Mit seinem Wiener Ensemble Concentus Musicus begründete er quasi im Alleingang die historische Aufführungspraxis. „Ohne die Revolution der Musizierweise, die der Cellist und Dirigent Nikolaus Harnoncourt vor fast fünfzig Jahren angestoßen hat, würden wir heute anders und Anderes hören“, formulierte es das Fachmagazin Rondo. 40 Jahre war Harnoncourt exklusiv beim Label Teldec unter Vertrag, insgesamt spielte er weit über 400 Schallplatten und CDs ein.

Am 6. Dezember feiert Harnoncourt, den Die Zeit als „einen der einflussreichsten Dirigenten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ würdigte, seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass öffnet Warner Classics seine Teldec-Archive und stellt die aufregendsten und bedeutendsten Aufnahmen des Meisters neu zusammen. 10 Doppel-CDs dokumentieren die geniale Auseinandersetzung Harnoncourts mit den 10 wichtigsten Komponisten aus Barock, Wiener Klassik und Romantik. Eine 5 CDs umfassende Box ist der Gattung der Sinfonie von Haydn bis Bruckner gewidmet.

Die Jubiläumsserie blickt schlaglichtartig auf die Meilensteine in Harnoncourts Schaffen: Die epochale Aufnahme sämtlicher Bachkantaten und Brandenburgischen Konzerte mit dem Concentus Musicus etwa, die bahnbrechende zyklischen Gesamteinspielungen der Sinfonien Mozarts, Beethovens, Schuberts, Schumanns und Brahms’, dazu sinfonische Werke von Haydn, Mendelssohn, Dvoƙak und Bruckner. Ebenfalls enthalten sind Ausschnitte des hochgerühmten Züricher Mozart-Opernzyklus mit dem Regisseur Jean-Pierre Ponelle, Oratorien von Händel und Haydn, zahlreiche Solokonzerte und Höhepunkte der beliebten Neujahrskonzerte im Wiener Musikverein, die Harnoncourt 2001und 2003 dirigierte.

Die Neuauflage vereint diejenigen Ensembles und Solisten, mit denen der österreichische Maestro während seiner gesamten Karriere schwerpunktmäßig zusammengearbeitet hat – ein who is who des heutigen Klassikbetriebes. Die wichtigsten Orchester neben seinem legendären Concentus Musicus sind das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, das Chamber Orchestra of Europe, die Wiener und die Berliner Philharmoniker, dazu der Wiener Arnold Schoenberg Chor. Als Solisten sind unter anderem zu hören die Pianisten Pierre-Laurent Aimard, Martha Argerich und Friedrich Gulda, der Geiger Gidon Kremer, der Cellist Clemens Hagen sowie die Sänger Cecilia Bartoli, Barbara Bonney, Angela Maria Blasi, Edita Gruberova, Thomas Hampson und Thomas Quasthoff.

Nikolaus Harnoncourt wurde 1929 in Berlin geboren. Er wuchs in Graz auf und studierte Cello in Wien. Von 1952 bis 1969 war er unter Herbert von Karajan Cellist bei den Wiener Symphonikern. 1953 gründete Nikolaus Harnoncourt zusammen mit seiner Frau Alice den Concentus Musicus Wien als ein Spezialensemble für Alte Musik. Als einer der ersten bemühte er sich um möglichst werkgetreue Interpretationen. Seit 1957 gab er regelmäßig Konzerte mit diesem Ensemble und nahm zahlreiche Einspielungen mit Musik des 13. bis 18. Jahrhunderts – insbesondere von J.S. Bach – auf, die die Aufführungs-paradigmen der klassischen Musikwelt revolutionierten. 1972 wurde er Professor für Historische Aufführungspraxis am Salzburger Mozarteum, eine Position, die er bis 1993 innehatte. Sein Musikkonzept legte er in Büchern wie „Musik als Klangrede“ dar, die immer noch als Standardwerke gelten.

Seit 1970 ist Nikolaus Harnoncourt als Dirigent tätig, sowohl in der Oper wie auch im Konzertsaal. Er ist dabei mit den großen europäischen Orchestern aufgetreten, darunter die Berliner und Wiener Philharmoniker, das Royal Concertgebouw Orchestra, die Wiener  Symphoniker, das Londoner Philharmonia Orchestra und das Chamber Orchestra of Europe.

Mit berühmten Solisten verbindet ihn eine intensive Zusammenarbeit. Zu den Höhepunkten in seiner Laufbahn gehören die Produktionen sämtlicher Opern Claudio Monteverdis und Wolfgang Amadeus Mozarts am Opernhaus Zürich in den Inszenierungen von Jean-Pierre Ponnelle und Jürgen Flimm, außerdem seine Konzerte mit Werken von Mozart, Haydn und Schubert am Pult des Royal Concertgebouw Orchestra und sein Beethoven-Zyklus mit dem Chamber Orchestra of Europe. Bereits 1985 wurde Harnoncourt ein eigenes Festival gewidmet, die Styriarte in Graz. Nach jahrelangen Querelen um seine Mozart-Lesart und die angebliche Rivalität mit Karajan dirigierte er 1993 erstmals bei den Salzburger Festspielen.

Nikolaus Harnoncourt ist für sein Schaffen vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Kyoto-Preis, dem Polar Music Prize, dem Ernst von Siemens Musikpreis und der Bach-Medaille der Stadt Leipzig. Dennoch ist er stets ein ernsthafter und bescheidener Diener des komponierten Werkes geblieben. „Die Kunst ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet“, sagte er einmal in einem Interview. „Sie ist die Schwelle zum Mensch-Sein.“

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