Alex Hepburn

Bild von Alex Hepburn

„Ich habe all mein Herzblut dafür hergegeben, Songs von absoluter Authentizität zu erschaffen. Songs, die so wahrhaftig wie nur möglich für mich sind. Bedauerlicherweise hatte ich in meinem Leben eine Reihe von Problemen“, erklärt Alex Hepburn bezüglich ihres zweiten Albums. „Ich hatte keine einfache Vergangenheit, aber man muss die Dinge von ihrer positiven Seite betrachten. Mein Album und meine Texte...

„Ich habe all mein Herzblut dafür hergegeben, Songs von absoluter Authentizität zu erschaffen. Songs, die so wahrhaftig wie nur möglich für mich sind. Bedauerlicherweise hatte ich in meinem Leben eine Reihe von Problemen“, erklärt Alex Hepburn bezüglich ihres zweiten Albums. „Ich hatte keine einfache Vergangenheit, aber man muss die Dinge von ihrer positiven Seite betrachten. Mein Album und meine Texte kommen immer aus dem tiefsten Herzen und ich bin sehr, sehr stolz auf dieses Werk.“

Von Etta James bis zu Janis Joplin und Mary J. Blige bis zu Adele ist Alex Hepburn die jüngste Sängerin und Songwriterin in einer langen Reihe starker Frauen, die ihr gesamtes Leben, ihre Liebe und alles dazwischen in jeden Gesangsauftritt legen. Und nichts davon entspringt dem Reich der Fantasie: Alex’ Texte erzählen von den Erfahrungen und Prüfungen des Lebens, die sie überwinden musste. Sie ist von ihrer schwierigen und teils qualvollen Vergangenheit geprägt, verarbeitet diese Dunkelheit jedoch zu inspirierenden, von Optimismus und Hoffnung getragenen Geschichten, die sie mit ihrer rauchigen und spektakulären Stimme vorträgt. Das neue Werk ist ein ehrliches, entschieden zuversichtliches und emotionales Soul/Pop-Album. Es ist die Arbeit einer Künstlerin, die sich selbst wirklich gefunden hat, und das auf mehreren Ebenen: ihre Stimme, Texte, Gefühle, Sound und Spiritualität.

Alex hatte eine glückliche Kindheit: ihre Eltern sangen daheim Jimi Hendrix, Nina Simone und James Brown und tauchten die junge Alex in eine von Blues, Soul und R’n’B geprägte Umgebung. Als sie 12 Jahre alt war, wurden diese glücklichen Tage jedoch jäh von finanziellen Sorgen und gesundheitlichen Problemen überschattet, nachdem während eines chirurgischen Eingriffes bei Alex’ Vater Komplikationen auftraten. „Durch zu wenig Sauerstoff erlitt mein Dad einen Hirnschaden. Er lebte danach nur noch sechs Monate. Als ich ihn das letzte Mal sah, wusste ich, dass ich ihn nicht wiedersehen würde. Ich erinnere noch, wie ich zu ihm sagte: ‚Falls du Gott triffst, dank ihm für all die Schwierigkeiten.’“ Alex, der ihre Kindheit entrissen wurde, wandte sich der Musik als eine Art Therapie zu, indem sie zunächst in Lyrik, dann in Songtexten Trost fand. Als sie dachte, die Situation könne nicht schlimmer werden, beging ihre kleine Schwester Selbstmord, nur einen Monat nach dem Tod ihres Vaters. „Meine Mum und ich rückten über diese Prüfung sehr eng zusammen. Sie ist eine unglaubliche Frau, eine der stärksten, die ich je getroffen habe. Wir haben uns gegenseitig geholfen und das hat mich dazu getrieben zu schreiben. Ich habe sehr gelitten.“ Alex führt aus: „Ich hatte das Gefühl, dass ein Fluch auf mir lastet. Ich war in einem schwarzen Loch. Je mehr du jedoch leidest, je mehr Prüfungen das Schicksal dir auferlegt, desto mehr kannst du in deine Kunst legen. Die Musik, die ich schreibe, basiert auf Schmerz. Du kannst keinen Blues singen, wenn du nicht weißt, was Schmerz ist. Du kannst es nicht singen, wenn du es nur spielst und ich lege alles in meine Musik.“

MySpace war zu der Zeit die angesagte Online-Plattform. Nachdem Alex ihre Songs hochgeladen hatte, wurden sie schnell über 500.000-mal angehört. „Ich wusste zu der Zeit gar nicht, dass ich eine Sängerin werden will. Es war ein großer Traum. Ich hatte eine Reihe von Jobs hinter mir, darunter als Empfangsdame und Putzfrau. Mein Freund sagte ständig zu mir: ‚Du hast 500.000 Plays auf MySpace, daraus solltest du etwas machen.’“ Besagter Freund war gerade auf der Suche nach einer Sängerin für ein Event in Paris und bot Alex 280 Euro für das Singen von drei Songs – ein Angebot, das sie sofort annahm. „Es war großartig. Ich hatte einen wirklich großartigen Tag in Paris!“ Sie begeisterte das anwesende Publikum und vier Tage später bot ihr Warner einen Vertrag an. „So begann ich, in Europa Erfolg zu haben“, erklärt sie schulterzuckend ihren Prä-Brexit-Durchbruch. Konkret kam sie mit ihrem Song „Under“ in sieben europäischen Ländern in die Top 10.

Bald darauf ging sie mit Lianne La Havas, Alex Clare und dem einzigartigen Bruno Mars auf Tour. „Am ersten Abend war ich von Stress geplagt. Bruno sagte zu mir: ‚Mach dir keinen Kopf, es wird großartig... ABER schmeiß die verdammte Zigarette weg und hör auf, Whiskey zu trinken!’. Ich habe so viel von ihm gelernt: er ist sehr professionell und hat mir einige Tipps gegeben. Er ist großartig.“ Dann schoss Alex überall in Europa in die oberen Regionen der Charts, am erfolgreichsten war sie in Frankreich und Deutschland. „Es war unglaublich, ein wenig wie Eminem im Video zu ‚The Real Slim Shady’: die ersten beiden Reihen hatten die gleichen Frisuren wie ich! Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen, aber es war großartig! Ich will erfolgreich sein, aber damit meine ich nicht Ruhm. Ich will, dass die Leute die Kunst würdigen, die harte Arbeit und das Talent. Wenn jemand sagt ‚WOW, ich liebe, was du in diese Welt gebracht hast’, fühlt es sich für mich so an, dass ich einen bestimmten Wert habe und etwas Bedeutungsvolles tue.“

Alex’ wichtigster Schreibpartner kreuzte dabei eher zufällig ihren Weg: Chris Ballard, Sohn von Russ Ballard, der den Song „God Gave Rock n Roll To You“ schrieb. „Einer meiner besten Freunde meldete mich für eine Session mit Chris an. Er ist verrückt, wild und so unglaublich spaßig. Wir fühlten einander perfekt und daraus entstand prompt ein Song. Wir verstanden uns auf Anhieb großartig; er ermöglichte mir, ich selbst zu sein. Es war großartig, meinen musikalischen Seelenverwandten zu treffen.’“ Heute fürchtet Alex nichts mehr und macht sich bereit, auch in ihrem Heimatland ihre Spuren zu hinterlassen. „Im UK den Durchbruch zu schaffen ist mir sehr wichtig. Ich tue, was ich tue – und weißt du was? Wenn du mich nicht magst, nun, dann magst du mich eben nicht.“ Craigie Dodds und Pete Boxta, ihre Produzenten, vertrauten auf die zeitgemäße Kombination von Soul und Hip-Hop, die Alex und Chris ihnen vorlegten, und machten daraus ein Album. Craigie und Pete schrieben und produzierten in der Vergangenheit unter anderem Songs für Gorillaz, Amy Winehouse, James Arthur, A$AP Rocky, Machine Gun Kelly und viele weitere.

Alex verbringt derzeit jede freie Minute damit, Songs zu schreiben, nachdem sie zuvor ihr altes Lieblingshobby aufgegeben hatte: Gras rauchen. Dank dieser förderlichen Entscheidung ist sie nun zehnmal produktiver. „Ich gehe nicht aus, sondern ich schreibe, sagen wir ein bis zwei Songs pro Tag. Ich habe eine ungezählte Menge an Songs geschrieben, davon macht man sich keine Vorstellungen, alles in allem wohl um die 2000.“

Das Album erzählt vom Anfang bis zum Ende eine Geschichte und nimmt den Hörer mit auf eine Reise, ganz so wie es einst bereits eine andere Sängerin und Songwriterin aus London mit einem Faible für Soul, den Blues, Hip-Hop und Schwermut tat – die symbolträchtige Amy Winehouse. „Amy und ich haben dieselben Bezugspunkte und Wegmarken. Sie ist unglaublich, ich denke jedoch, dass sich meine Reise sehr von ihrer unterscheidet.“ Nachdem sie so viel Schmerz und Leid erdulden musste, will Alex zurück in die Spur finden und Menschen inspirieren. „Ich will diese Negativität nehmen und in etwas Positives verwandeln, es ist das Einzige, wofür ich dankbar bin. Viele Menschen fürchten sich davor zuzugeben, dass sie leiden. Sie sagen lieber: ‚Lass uns feiern gehen, trinken und Drogen nehmen.’ 90% der Welt leidet. Jedes Mal, wenn mir etwas geschieht, nehme ich diese Emotion und, Peng, schreibe einen Song. Musik hat mich wirklich gerettet und ich will darauf eine Karriere aufbauen. Ich bin nicht daran interessiert, einen Hit zu landen, meine 5 Minuten Ruhm zu haben und mich wieder zu verabschieden. Ich konzentriere mich auf das Langfristige: es ist schließlich mein Leben und meine Zeit.“

Geschrieben von Ben Reardon (Vice, Dazed & Confused, iD Magazine, GQ Style)

Aktuelle Videos

News von Alex Hepburn