Babyshambles

Bild von Babyshambles

„Stephen Hawking hat versucht, dahinter zu kommen, wie sich ein paar instabile Teilchen aus dem Nichts materialisieren und eine Masse ergeben. So ähnlich ging es uns auch mit diesem Album...“


Peter Doherty sitzt in der Pariser Nachmittagssonne und versucht, sich und der Welt irgendwie den steinigen, kurvigen Pfad zu erklären, den man während der letzten sechs Jahre hinter sich gelassen...

„Stephen Hawking hat versucht, dahinter zu kommen, wie sich ein paar instabile Teilchen aus dem Nichts materialisieren und eine Masse ergeben. So ähnlich ging es uns auch mit diesem Album...“


Peter Doherty sitzt in der Pariser Nachmittagssonne und versucht, sich und der Welt irgendwie den steinigen, kurvigen Pfad zu erklären, den man während der letzten sechs Jahre hinter sich gelassen hat. Seit die Babyshambles ihr letztes Album veröffentlichten, ist verdammt viel Zeit vergangen. Nun steht man plötzlich wieder im Rampenlicht. Mit 12 brandneuen Songs, die man sehr zur Verwunderung seiner Fans – und nicht zuletzt auch zu seiner eigenen Verwunderung – scheinbar im sprichwörtlichen Vorbeigehen aus dem kollektiven Bandärmel geschüttelt hat.

Mit „Sequel To The Prequel“ haben die Babyshambles nun das bisher reifste, versierteste und vielleicht sogar zeitloseste Werk ihrer wechselhaften History eingespielt. Angefangen bei der ersten Single „Nothing Comes To Nothing“ (die der NME als „Return to sprightly form“ abfeierte), über das schwerstens vom 77er-Punk-Spirit geschwängerte „Fireman“, bis hin zur eindringlich-schönen Ballade „Fall From Grace“ – „Sequel To The Prequel“ ist ebenso unvorhersehbar und aufregend, wie der Weg, den die Babyshambles in den letzten paar Jahren gegangen sind. Ein Album, welches ihr Publikum zweifellos im gleichen Maße schocken, wie auch begeistern wird. In nicht wenigen Momenten sogar beides gleichzeitig.

Ein Album, dessen ungeschminkte Entstehungsgeschichte sich kurz zusammenfassen lässt: Mit der Tatsache, dass die Babyshambles einfach verdammtes Glück haben, heute überhaupt noch (oder: wieder) zu existieren. „It was a fucking shambles; ein absolutes Chaos. Ein Scherbenhaufen“, beschreibt Babyshambles-Frontmann Peter den Zustand seiner Band vor Beginn der Songwriting-Sessions. „Es gab keine Kommunikation zwischen uns und keine Idee einer Richtung, in die wir gehen wollten. Wir kamen uns vor wie Schiffbrüchige – ohne gegenseitigen Austausch ist man in so einer Situation in einer Band wirklich verloren...“

Eine Meinung, der sich auch Gitarrist Mik Whitnall anschließt. „Um ganz ehrlich zu sein, kam ich persönlich vor noch nicht allzu langer Zeit an diesen berühmten Punkt, an dem man denkt: Okay, das war’s dann wohl. Babyshambles sind endgültig Vergangenheit.“ Und das aus zwei schwergewichtigen Gründen. Erstens: Die große räumliche Distanz zueinander. Doherty hat es mittlerweile nach Paris verschlagen, während der Rest der Band immer noch in London beheimatet ist. Der zweite Grund: Die Tragik des Schicksals. Im Juli 2011 wurde Bassist Drew McConnell auf seinem Fahrrad in London von einem Auto erfasst und erlitt schwerste Verletzungen.

Nachdem er den Rest des Jahres damit verbrachte, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen und nicht zuletzt damit, nach seinem schweren Unfall wieder gehen zu lernen, konnte man sich auch wieder auf das Album konzentrieren. „Es geht mir wieder viel besser“, so Drew mit einer deutlich spürbaren Erleichterung in seiner Stimme. „Ich muss zwar immer noch viel Zeit in der Physiotherapie verbringen, das wird sich wohl auch für den Rest meines Lebens nicht ändern. Doch ich bin heute sehr froh, überhaupt wieder gehen zu können! Zeitweilig sah es ziemlich böse aus. Heute bin ich einfach happy, wieder ein relativ normales Leben führen zu können.“

Das Fazit alldessen (mal von Drews anhaltendem Gesundheits-Kick abgesehen): Ein wahrer Kreativitätsschub, der an Spaniens Costa de la Calma, der Küste des Schweigens, in einer Hand voll neuer Songs gemündet hat, die man Doherty ein paar Monate später vorspielte.

„Peter hat öfter mal bei mir Zuhause vorbeigeschaut. Wir saßen zusammen, tranken Tee und sprachen über die alten Zeiten. Darüber, wie sehr wir es vermissten, zusammen auf Tour zu sein und Platten zu machen. Irgendwann fragte ich ihn, was er in letzter Zeit so für Zeug gehört hätte und er meinte, Babyshambles! Also erzählte ich ihm, dass ich ein paar Songs geschrieben hätte und spielte ihm `New Pair` und andere vor. Er war sofort begeistert und zeigte mir ein paar seiner neuen Songs wie `Penguins` - und von einem Moment auf den anderen haben wir wieder zusammen an etwas sehr Aufregendem gearbeitet!“

„Drew hat ein wenig Zeit gebraucht, um wieder mit mir zusammen zu arbeiten“, erinnert sich Doherty. „Er kam nach Paris und hat mich wieder in Form gebracht.“

In altbewährter Babyshambles-Arbeitsweise kam auch „Sequel To The Prequel“ als Ergebnis einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Arbeitsgruppen zusammen. Neben Drew und Mik hat auch der langjährige Freund der Band, Ex-The Bandits-Member John Robinson, wieder zum Songwriting beigetragen und war maßgeblich an der Entstehung von „Minefield“ und „Fall From Grace“ beteiligt.

Für das außergewöhnliche Albumartwork zeichnet niemand Geringerer als der britische Künstler Damien Hirst verantwortlich, während man sich erneut auf Stephen Street (Blur, Kaiser Chiefs, The Smiths) als Producer verständigen konnte. „Erstens kommen wir alle super mit ihm aus und zweitens schafft er es irgendwie, dass Peter einfach unglaublich gut klingt“, so Drew über Street. Eine Tatsache, die man Peters Vocal-Performance auf Songs wie dem Doherty/ Whitnall-Instantklassiker „Farmer´s Daughter“ deutlich anhören kann. Mit Dohertys persönlichem Lieblingssong „Picture Me In A Hospital“ hat man einen der wohl eingängigsten Babyshambles-Songs in der bisherigen Bandgeschichte am Start. „Ich habe das Demo auf dem Diktaphon aufgenommen, das ich immer bei mir habe“, so Peter. „Es entstand in einem Take; Drew hat es nur ein wenig zurechtschneiden müssen. Für mich repräsentiert das Stück den Spirit des gesamten Albums.“

Drew, der fest davon überzeugt ist, dass der Song eigentlich von ihm handelt, fasst die besondere Bedeutung des Albums zusammen: „Der Punkt ist: Selbst, wenn wir drei vorher nichts mehr mit miteinander zu tun hatten, haben wir immer noch diesen besonderen Gemeinschaftssinn. Das wird sich auch niemals ändern – das ist der Grund, weshalb wir immer noch so gut miteinander funktionieren.“

Etwas, das Peter in seinen ganz eigenen Worten ausdrückt. „Mir ist klar geworden, dass ich immer noch diesen Hunger in mir habe. Kein Hunger auf Essen, damit das mal klar ist. Ein Hunger, Mitglied in dieser Band zu sein. Das ist ein wichtiger Teil von mir – erst dieses Album hat mich wieder daran erinnert... Und nicht zuletzt hat dieses Album die restliche Band endlich mal nach Paris geführt“, grinst Doherty abschließend in die Nachmittagssonne über der Seine-Stadt.
 

www.babyshambles.net
www.facebook.com/babyshambles
www.twitter.com/babyshamblesuk
www.youtube.com/user/BabyShamblesMusicUK

News von Babyshambles