Beware Of Darkness

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­Beware of Darkness, Are You Real?

„Muthafucka, I’m back from the dead, I’m about to raise hell. Out of my coma, I’m ready to show you that season of my life is done“ –

das stellt Kyle Nicolaides gleich zu Beginn von „Are You Real?“ klar, dem neuen Album von Beware of Darkness und bislang größten und kühnsten Statement des...

­Beware of Darkness, Are You Real?

„Muthafucka, I’m back from the dead, I’m about to raise hell. Out of my coma, I’m ready to show you that season of my life is done“ –

das stellt Kyle Nicolaides gleich zu Beginn von „Are You Real?“ klar, dem neuen Album von Beware of Darkness und bislang größten und kühnsten Statement des Frontmanns. Mit seinem gezähnten, gleißenden Gitarrenriff, der in einen knirschenden Groove peitscht, ist der Song ein Ruf zu den Waffen – für den Sänger ebenso wie für den Rest der Band, weist er doch in eine neue Richtung: weg vom Hardrock der Vergangenheit hin zu einem mehr Alternative-orientierten Sound. Die Wiedergeburt umfasst indes weit mehr als nur Riffs, denn der Kreis von Nicolaides’ Reise seit der Veröffentlichung des Debütalbums „Orthodox“ (2013) hat sich nach dem Durchmessen von Untiefen und Durchwaten trostloser Landschaften nunmehr geschlossen. „Are You Real?“ ist die Geschichte eines Rockstars, der bei seinem Aufstieg Unsicherheiten und Desillusionierung bekämpft hat, um nicht auszubrennen. Stattdessen nahm er die Führung der Band an und schaffte es ans rettende andere Ufer, wiedererstarkt und fokussiert, mit den besten Songs seiner jungen Karriere.

Trotz der Höhenflüge, die „Orthodox“ zur Folge hatte – darunter extrem nachgefragte Shows, prominente Song-Placements und wohlgesonnene Kritiker –, beschreibt Nicolaides den Zustand seiner Psyche in jener Phase seiner Karriere als nicht gerade herausragend. Fehlendes Vertrauen in seine eigenen Führungsfähigkeiten führte zunächst zu Wut, gefolgt von Ängsten und Depression. Nicolaides sah sich gezwungen, tief in sich zu blicken und wieder aufzubauen, was ihm abhanden gekommen war. Er beschloss, die Herausforderungen anzunehmen, um – wie er es im Geiste des Bandnamens formuliert – „be aware of darkness“, um der Finsternis gewahr zu werden. Durch Lektüre und Meditation fand er jene Harmonie, die ihm zuvor gefehlt hatte, nicht nur in seiner Musik, sondern in allen Ecken seines Lebens.

„Nach dem ersten Album ging ich nicht davon aus, überhaupt eine Zukunft in der Musik zu haben. Ironischerweise wurde mir jedoch klar, dass die einzige Art, damit klarzukommen und die Kontrolle zurückzugewinnen, darin bestand, weiter Songs zu schreiben“, sagt er. „Das neue Album hatte seinen Ursprung darin, dass ich mich mit dieser Unsicherheit auseinandersetzte. Dann entwickelte es sich in die Vorstellung, dass ich das beste Rockalbum der letzten zehn Jahre machen wollte, etwas Originelles und Frisches, zwölf Songs aus einem Guss, mit dem Gefühl, dass man etwas hinter sich lässt. Bevor ich das Album machte, entschied ich mich, dass es für jeden, der daran mitwirkte, das Erlebnis schlechthin sein sollte, mich eingeschlossen. Auf eine Art habe ich mich von außen nach innen vorgearbeitet, wobei ich sicherstellte, dass jeder sich gut aufgehoben fühlte und zufrieden war. Sodass wir eine Art kreativen Rückzugsort bauen konnten, in dem der richtige Vibe herrschte.

 

Bevor er sich ins Studio begab, setzte Nicolaides sich zum Ziel, 100 Songs zu schreiben – und genau das tat er. Der größte Unterschied zwischen dem Songwriting für das erste und zweite Album bestand im Überarbeitungsprozess. Die erste LP lief so ziemlich getreu dem Motto „Erster Gedanke, bester Gedanke“ ab, nun hingegen „schrieb ich einen Song, nahm nur die Teile heraus, die ich liebte, kombinierte sie dann entweder mit einem anderen Song oder schrieb sie komplett neu, setzte alles zusammen und schaute, was passte. Ich experimentierte eine Menge“, so der Frontmann, der anfügt: „Manchmal musste ich einen Song auf vier unterschiedliche Arten schreiben, bevor ich die finale Version hatte. Aber ich wollte ein zusammenhängendes Monster von einer LP machen, und das waren die Anforderungen.“

Bewaffnet mit dieser Unmenge von Songs, begaben sich Beware of Darkness im Herbst 2015 ins Studio, um mit den beiden Producern / Toningenieuren Jim Kaufmann und Catherine Marks aufzunehmen. „Ich realisierte, dass man eine Wahl hat, niedergeschlagen zu sein oder auf etwas hinzuarbeiten in dem Glauben, dass Besserung eintritt“, sagt er. „Ich glaube, das war die Verlagerung, die einsetzte, sobald ich mit dem Schreiben des neuen Albums begann. Ich entschied mich, nicht länger depressiv zu sein, sondern daran zu glauben, dass es ab jetzt nur noch besser wird.“

Gleich beim eröffnenden Aufschrei von „Muthafucka“ ist klar, dass Beware of Darkness auf dem aufsteigenden Ast sind, dass sie mit neuen Flügeln fliegen, während sie zugleich an dem festhalten, dass die Fans zuerst an ihnen liebten. Die Vorgehensweise bei diesem Song – der eingespielt wurde, indem man den Beat einer Tempest Drum Machine mit einem rauen Gitarrenriff und einer von oben nach unten aufgebauten Bassline paarte  – wurde die Blaupause für einen Großteil des Albums und zeigt Nicolaides auf dem Zenit seiner Rückkehr.

Andernorts pulsieren und wüten die Tracks, hoch aufsteigend und weit tönend, alles insgesamt vielleicht ein bisschen weniger finster. Wo das frühere Material von Beware of Darkness mehr zu Leder und Metall tendierte, streben diese Songs in Richtung Arctic Monkeys, Royal Blood, The Struts, Wolf Alice, Cage the Elephant, Skaters und sogar Nirvana. Songs wie „Dope“, „Summerdaze“ und „Sugar in the Raw“ weisen einen feinen Hip-Hop-Einfluss auf – und in der Tat wurden die genannten Songs gemeinsam mit der Hip-Hop-Produzenten Trinity erarbeitet, eine Kollaboration, von der Nicolaides sagt, sie sei wahrhaft magisch und inspirierend gewesen.

Die Titelfrage des Albums entspringt nicht einer Laune, sondern verkörpert die zwei Seiten der Beziehung, die Beware of Darkness zu ihrer Heimatstadt Los Angeles haben: Begegnungen von Kunst und Künstlichkeit. Laut Nicolaides zitiert Are You Real? sowohl eine Grafik des L.A.-Fotografen Robert Heinecken aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, die er in einer Kunstgalerie in Pasadena entdeckte, als auch all die unspezifischen Begegnungen mit L.A.-Bewohnern auf Partys, deren ausgeklügelten persönlichen Geschichten und geistlosen Argumentationen man kaum Glauben schenken kann. „Das ist die Sache mit L.A.“, sagt er. „Ich habe an dieser Stadt nie etwas geliebt oder gehasst. Sie hat so viele großartige Dinge zu bieten, aber auch unglaublich viele, die einfach überwältigend deprimierend sind.“

Inmitten der Vorfreude auf die Veröffentlichung von „Are You Real“ hat Nicolaides der Band zu neuer Fokussierung verholfen und würdigt zugleich ihren inneren Zusammenhalt. Er fühlt sich rundum gerüstet, wieder das Steuer zu übernehmen, auf eine reife und routinierte Weise. „Die Ursprungsband ist wie durch ein Wunder zusammengeblieben. Ich betrachte mich nun als ihr Beschützer. Früher wussten wir nicht zu schätzen, was wir hatten – auch ich nicht“, sagt er von den vergangenen Tagen. „Man blickt zurück und sagt sich: ‚Wow, wir haben unseren Traum gelebt’. Vor einem Monat haben wir uns alle zusammen in einen Raum geben, und der Vibe war noch da. Wir haben all diese neuen Songs gespielt und es klang, als würden wir sie seit zehn Jahren spielen. Auch die älteren Songs klangen plötzlich zwanzigmal besser als auf der letzten Tour. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass es mein Job ist, der Beschützer von all dem zu sein. Eine Chemie wie diese ist heilig.“

Was die Zukunft von Beware of Darkness anbelangt, blickt Nicolaides guten Mutes nach vorn. „Dieses Album ist für mich der Beginn eines neuen Kapitels in meinem Leben“, sagt er. „Ganz wie der ‚Muthafucka’-Song: Ich bin eine komplett andere Person, was mein Selbstvertrauen, meine Kreativität und meinen Teamgeist anbelangt. Ich hoffe, dieses Album ist der Start zu einem großartigen Lauf für uns. Mit jedem Schritt, den wir machen, entwickeln wir uns weiter und wachsen – zu unseren Bedingungen.“

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