Chromeo

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   Staatschefs, Geschäftsführer und sämtliche dicke Fische können sich noch einiges von Chromeo abschauen. Dave 1 und P-Thugg aber, haben vor allem den folgenden Ratschlag parat: Kenne dein Selbst, kenne deinen Vibe und halte Kurs. Die restliche Bevölkerung wird schon hinterherkommen. Mit anderen Worten, Chromeo sind richtig gut im Chromeo sein. Die Mission, das Gesamtpaket, die Vision – reine Absicht...

   Staatschefs, Geschäftsführer und sämtliche dicke Fische können sich noch einiges von Chromeo abschauen. Dave 1 und P-Thugg aber, haben vor allem den folgenden Ratschlag parat: Kenne dein Selbst, kenne deinen Vibe und halte Kurs. Die restliche Bevölkerung wird schon hinterherkommen. Mit anderen Worten, Chromeo sind richtig gut im Chromeo sein. Die Mission, das Gesamtpaket, die Vision – reine Absicht von Sekunde Eins. Diese Chromeo-Typen? Die haben das ganze Chromeo-Typen-Dasein einfach raus.

     Weise rückblickend betrachtet sehen wir, dass Chromeo als Erben des Soul naturgemäß hartnäckig am Ball geblieben sind. Funk den Spielplan. Diese Jungs verfolgen von vornherein eine zehnjährige Battle-Strategie. Als sie 2004 ihr erstes Album veröffentlichen, ist Rick James immer noch eine Art Antichrist in den Augen der Unaufgeklärten. Und heute? Heute füllt der Funk-Sound der 80er-Jahre – also der Großteil der Chromeoschen DNA – weltweit die Charts.

     Perfekte Zeit also für eine frische Fuhre und prompt – war doch klar – Pee, immer noch lässig seinen Pulli Marke Coogi zur Schau tragend, und Dave, der immerwährende semitisch-gallische Herzensbrecher in engen Hosen, sind wieder da. Im Wesentlichen stehen die kanadischen Funk-Fürsten kurz vor ihrer vierten Album-Veröffentlichung. Sie trägt den Titel „White Women“ und ist ein Prachtstück. Kulturtheoretisch betrachtet, versetzt uns das Werk ins Zeitalter der Post-Nostalgie. Alle vorangegangen Genres und Stile koexistieren jetzt innerhalb einer Singularität von Bewegungen und Gesten.  (Okay, entschuldigt bitte diesen kurzen Exkurs in die Kulturwissenschaften, aber das Vorhergehende trifft tatsächlich auf Chromeo zu. Nur zur Info.) White Women, als reine Unterhaltung, hebt noch einmal die Messlatte und festigt Chromeos Ruf für sexy Funk, Hintern-bewegende Beats, melodischen Honig und smarte Texte zu den Schwächen zeitgenössischer Liebe.

     Mit seinen Worten stellt Dave 1 weiterhin die Klischees urbaner Musik auf den Kopf.  Auf „Jealous (I Ain’t With It)“, ein Chromeo Crossover-Komet vom Feinsten, wird unser Erz-Antiheld Zeuge seiner Ex in den Armen eines Anderen. Dabei trägt sie ausgerechnet noch die Jacke, die er ihr geschenkt hatte. „Over Your Shoulder“ hingegen ist ein Lobgesang auf die Unsicheren. Die Botschaft lautet: ‚Mädels, ihr seid alle schön. Lasst euch durch dieses Körperbild-Gerede nicht verrückt machen.’ Während „Sexy Socialite“ sämtlichen, selbstherrlichen Partygören Anfang 20 nahelegt, mal einen ehrlichen Blick in den Spiegel zu werfen.

   Auf White Women zeigen sich Chromeo von ihrer bisher ehrgeizigsten Seite, berstend voll von Pop- und Musik-Liebhabereien. Mal schwebend, mal pulsierend, liefern Dave und Pee auf Tracks wie „Come Alive“ und „Frequent Flyer“ Hooks, mit Potenzial zum sofortigen Klassiker – musikalische Momente, die Hall & Oates oder etwa Wham vor Neid erblassen lassen würden. Hinzu kommt ein analoges Arsenal ohnegleichen, bei dem selbst Kraftwerk das Wasser im Munde zusammenlaufen würde. Die Stimme Mtumes schmückt balsamartig über die Hälfte der Tracks auf dem Album, das schließlich im progressiven Closer „Fall Back 2 U“ mündet – Steely Dan lässt grüßen.

    Trotz all dieser 80er-Jahre-Allusionen, ist White Women, mehr als jedes andere Chromeo-Opus, fest in der Gegenwart des Pop verankert. Und nicht zu vergessen, die soliden Gastauftritte: Während Solange mit Dave 1 den Song „Lost On The Way Home“ schmettert, steuert Ezra Koenig von Vampire Weekend ein herzzerrupfendes Intermezzo auf „Ezra’s Interlude“ bei, bevor Toro y Moi auf dem oben genannten „Come Alive“ in unverdünnten Elektro-Funk eintaucht.

    2014 ist zufälligerweise auch noch das Jahr des Pferdes. Dies leuchtet ein, wenn man in Betracht zieht, dass Chromeo gleich angaloppiert kommen, hoch auf weißem Ross gesattelt, um uns mit ihrem grandiosen Sound zart in den Boden zu trampeln. Das Wetter ist perfekt, das Wasser warm, die Leute warten. Hier kommt White Women, um allen zu zeigen, wie’s gemacht wird.

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