Nik Wallner

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Auch, wenn einer der schönsten Songs von Nik Wallner den Titel „Nashville Tegernsee“ trägt: Nashville liegt mitnichten im Voralpenland. Die wenigsten Kinder in Oberbayern lernen Pedal Steel oder Banjo zu spielen, Cowboystiefel trägt dort auch kaum jemand. Die Zugspitze unterscheidet sich nicht nur, was das Wetter angeht, erheblich vom Grand Canyon. Und doch ist der Sound von Nik Wallner im...

Auch, wenn einer der schönsten Songs von Nik Wallner den Titel „Nashville Tegernsee“ trägt: Nashville liegt mitnichten im Voralpenland. Die wenigsten Kinder in Oberbayern lernen Pedal Steel oder Banjo zu spielen, Cowboystiefel trägt dort auch kaum jemand. Die Zugspitze unterscheidet sich nicht nur, was das Wetter angeht, erheblich vom Grand Canyon. Und doch ist der Sound von Nik Wallner im Country verwurzelt, geprägt von Genregrößen wie Keith Urban, Luke Combs oder Dwight Yoakam.

Der Unterschied zu den amerikanischen Superstars liegt auf der Hand: Nik Wallner singt seine Country-Pop-Songs auf Deutsch. Die Geschichten der Lieder spielen sich in seiner Heimat ab. Und die Art, auf die er diese Geschichten erzählt, ist so nahbar, so ehrlich und sympathisch, dass man sich sofort in ihnen wiederfindet.

Aber von vorne: Wie kommt ein Junge, der am Tegernsee aufwächst, dazu, solche Musik zu machen? Die ersten Gehversuche folgen klassischen Mustern: Zunächst die Musikschule, die ist eher langweilig. Dann, mittlerweile besucht Wallner das Gymnasium, ein Gitarrenlehrer, der ihm die Songs von Cat Stevens & Co. nahebringt. Mit einem Freund gründet er als Teenager die erste Band, spielt die großen Rockhits von Matchbox 20 bis Daughtry nach. „Mir war immer wichtig, dass Musik handgemacht ist – ob ich sie hörte oder spielte. Mit echten Skills, mit echten Instrumenten“, sagt er. „Da landet man fast zwangsläufig bei Country und Folk, denn dort spielten diese Tugenden einfach noch die größte Rolle.“ Bald fängt er an, die ersten eigenen Songs zu schreiben – und zwar auf Deutsch!

Er ist selbst erstaunt ob der neuen Welten, die sich dabei auftun. „Man kann in seiner Muttersprache ganz andere Bilder malen“, sagt er. „Man kann ganz anders erzählen und muss das auch, damit es beim Zuhörer ankommt.“

Seit 2019 arbeitete er gemeinsam mit dem Produzenten Tom Olbrich (Andreas Bourani) an seinem nun erscheinenden Debütalbum. Wie er seine Songs schreibt? Wallner lacht, sagt, einen roten Faden habe er selbst noch nicht gefunden. Mal singt er eine Melodie in sein iPhone, mal notiert er eine schöne Zeile aus einem Gespräch mit Freunden oder der Familie. „In einer glorreichen Stunde, meistens übrigens nachts, kommen diese Ideen dann im Kopf zusammen. Dann setze ich mich hin, spiele ein bisschen auf meiner Gitarre herum – und so fügt es sich.“ Und wenn er absolute Ruhe braucht, steigt er auf sein Fahrrad. Eine halbe Stunde entfernt liegt nämlich einer seiner Kraftorte: Die Schwiegereltern besitzen eine Alm. Was dort, hoch oben über dem See, für die Geräuschkulisse sorgt, sind die Kühe und ihre Kälber – das Handy hingegen bleibt still: Kein Empfang.

Dieser Kreativprozess führt zu Bildern, die es in der deutschsprachigen Musik so noch nie gegeben hat. Wo hierzulande in der Vergangenheit vieles, das mit Country zu tun hatte, knietief durch Klischees watete, erzählt Wallner authentisch von sich und seinen Freunden. Der Pick-Up-Truck, der im amerikanischen Country über die Highways der Great Plains fegen würde, ist bei ihm ein gebrauchter Ford. Der Bourbon-Whiskey wird in seinen Songs durch das „Tegernseer Hell“ ersetzt, und er trifft sich mit seinen Freunden nicht im Saloon, sondern in der Stammkneipe. Kurzum: Er spielt augenzwinkernd mit den Klischees des Genres, überträgt sie geschickt ins Deutsche. So entstehen Texte, die eine ganz eigene Charakteristik besitzen. „Es war mir wichtig, da nicht irgendwelche amerikanischen Stars nachzumachen, sondern aus meinem eigenen Leben zu schöpfen“, erklärt Nik Wallner. Dass der Sound trotzdem über jeden Zweifel erhaben ist, liegt am Personal: Die Creme de La Creme der Session-Musiker aus der Country-Metropole Nashville ist auf seinen Songs zu hören.

Die Werte, die Wallner lebt, ähneln ebenfalls denen, die wir aus dem amerikanischen Country kennen. Seine Songs sind bestens dafür geeignet, sich ein paar Minuten lang aus der hektischen Gegenwart zu verabschieden. Sie tragen ihr Herz auf der Zunge, verströmen Ehrlichkeit, Bodenständigkeit und Verbindlichkeit, berichten von der Kraft der Freundschaft und der Bedeutung der Familie und, das ist wichtig, auch von der Liebe zur Heimat. „Die meisten erzählen nur von den großen Städten. Dabei hat Deutschland so wunderbare Landschaften – nicht nur dort, wo ich aufgewachsen bin. Das geht manchmal etwas verloren.“

Ein Song ist es, der besonders gut als Hymne für all diejenigen taugt, die aus diesen Landstrichen stammen. Die vielleicht gar nicht ausbrechen wollen, weil sie sich in der Provinz sehr wohlfühlen. „Es geht fast alles ausser Handys und Internet. Uns fehlt fast gar nichts, die nächste Stadt ist unendlich weit weg“, lautet die erste Zeile von „Landweilig“, später: heißt es „Wir haben nicht viel, doch wir machen’s uns nett.“ Wallner erklärt: „Kann sein, dass in Berlin der Späti 24 Stunden lang geöffnet hat. Das gibt es bei uns nicht – ebenso wenig wie eine U-Bahn, die alle fünf Minuten fährt. Es ist eben alles etwas langsamer und gemächlicher. Aber deshalb ist es bei uns nicht weniger aufregend.“

Wenn man ein paar von Nik Wallners Songs hört, glaubt man das gerne – und möchte sofort ein Zugticket an den Tegernsee buchen. Vielleicht hat man ja Glück und bekommt ein ganz besonderes Schmankerl dargereicht: Gemeinsam mit befreundeten Brauern hat Wallner vor kurzem sein erstes eigenes Bier in Angriff genommen: ein Helles, was sehr gut passt: „Hell Yeah“ wird auch die erste Single heißen. Sie ist eine kraftvolle Hymne auf die Magie des Wochenendes: „Es gibt Nächte, die muss man durch ein Glas sehen“, heißt es da. Prost!

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