Subways, The

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Gäbe es das Buch „Bands für Dummies“, stünde dort wohl auf Seite 1, dass man auf keinen Fall eine Band mit seinem Bruder formieren sollte, und auf Seite 2, dass es auch eine ziemlich dumme Idee ist, zusammen mit seiner Jugendliebe eine Band zu gründen. Das kann einfach nicht (lange) gut gehen. In Anbetracht dessen sind THE SUBWAYS aus dem...

Gäbe es das Buch „Bands für Dummies“, stünde dort wohl auf Seite 1, dass man auf keinen Fall eine Band mit seinem Bruder formieren sollte, und auf Seite 2, dass es auch eine ziemlich dumme Idee ist, zusammen mit seiner Jugendliebe eine Band zu gründen. Das kann einfach nicht (lange) gut gehen. In Anbetracht dessen sind THE SUBWAYS aus dem englischen Welwyn Garden City bandchemietechnisch eigentlich eine völlig unmögliche Band: Sänger und Drummer sind Brüder, Sänger und Bassistin (inzwischen Ex-) Lover. Es gibt haufenweise Bands, die an sehr viel weniger gescheitert sind. Aber wahrscheinlich haben die ihre Band auch nicht so sehr geliebt wie THE SUBWAYS THE SUBWAYS lieben. „Diese Band ist das Erste, an das ich denke, wenn ich aufwache, und das Letzte, an das ich denke, bevor ich einschlafe. Sie ist mein Leben, meine Familie. Sie wird erst dann enden, wenn ich ende“, beschreibt Sänger/Gitarrist Billy Lunn die Beziehung zu „seiner“ Band, die er vor etwa zehn Jahren mit seinem Bruder Josh Morgan (Drums) und seiner damaligen Freundin Charlotte Cooper (Bass) in seinem Jugendzimmer gründete. Auch 2011 spielen THE SUWBAYS noch in dieser Urbesetzung – und legen mit „Money and Celebrity” nun endlich ihr drittes Album vor, das jeden Freund melodieverzauberter Rockmusik im Sturm erobern wird.

Doch eins nach dem anderen. Sucht man nach Gründen dafür, warum THE SUBWAYS zu den wenigen Bands gehören, die aus dem schier endlosen (und größtenteils auch endlos eintönigen) Kosmos britischer Rockmusik herausstechen, taucht man am besten in ihre Vergangenheit ein – ins Leben in Welwyn Garden City, das Teenagern nicht viel zu bieten hat. „Diese Vorstadthölle kann einen Menschen wahnsinnig machen. Doch statt wahnsinnig zu werden, haben wir uns dazu entschlossen, eine Band zu gründen und Songs zu schreiben“, erklärt Billy. Als die drei Kids dann erstmals Bühnenluft schnupperten, war klar: Rockmusik war das, was sie mit ihrem Leben anfangen wollten. Für das Berufsziel Rockstar warf Billy auch gerne seine anderen Pläne über den Haufen – zumal Pilot, Archäologe, Polizist, Schriftsteller oder Fernfahrer seinem extrovertierten Charakter eh kaum hätten gerecht werden können. Schnell erspielten sich die unermüdlich tourenden THE SUBWAYS eine passionierte, stetig wachsende Fangemeinde, wurden von Warner gesignt und nahmen 2005 im Alter von 19 (Billy) und 17 (Charlotte und Josh) Jahren ihr Debütalbum „Young For Eternity“ auf, dessen Hymnen „Rock & Roll Queen” und „Oh Yeah” in den Clubs rotierten und auch von der Werbeindustrie (Hugo Boss, Rimmel) begeistert verschlungen wurden.

Umso höher waren die Erwartungen an das zweite Album, das zunächst jedoch unter keinem guten Stern stand: Billy und Charlotte trennten sich nach sieben Jahren, und obendrein musste sich Billy Anfang 2007 Polypen entfernen lassen – ein Eingriff, der bei schlechtem Verlauf seine Sängerkarriere schlagartige hätte beenden können.

Doch der Vollblutsänger und Bühnen-Aficionado (ein Euphemismus für „Rampensau“) kämpfte sich zurück zu alter (genauer: noch besserer) Stimmbandform, und auch die gescheiterte Liebesbeziehung konnte THE SUBWAYS nicht davon abhalten, in Los Angeles mit Meister-Produzent Butch Vig (Nirvana, Foo Fighters, Green Day) ihr bittersüß-rockendesZweitwerk „All or Nothing“ einzuspielen, das in Deutschland im Juli 2008 auf Platz 18 der Charts kletterte. Überhaupt – Deutschland: Hierzulande treffen THE SUBWAYS mit ihren aufwühlenden, dynamischen, famosen Rock-Alben seit jeher mitten ins Schwarze und haben sich dank intensiven Tourens eine breite Fanbase erspielt, die mit ihrer Leidenschaft für diese sympathische Band jedes Live-Gastspiel zu einem einzigartigen Erlebnis macht.

In der Festival-Liga haben sie sich damit mittlerweile ganz nach oben gespielt – was allerdings nicht immer nur Vorteile hat: Beim diesjährigen Southside Festival mussten THE SUBWAYS zeitgleich mit den übermächtigen Foo Fighters antreten und waren unglaublich bewegt, dass trotzdem Abertausende Fans bei ihnen vor der Bühne standen. Selbst Dave Grohl soll gesagt haben: „Wir spielen gleichzeitig mit THE SUBWAYS? Verdammt, ich wollte die doch sehen!“

Auch wenn es nun schon ihr drittes Album ist, fühlt sich „Money And Celebrity“ für Billy, Charlotte und Josh doch irgendwie wie ihr erstes an. „Vielleicht liegt es daran, dass ich die Songs dieses Mal anders geschrieben habe als sonst“, sucht Billy nach Gründen für das ungewöhnliche Neustart-Feeling dieses Albums. „Früher habe ich immer zuerst die Musik komponiert und erst später die Lyrics dazu geschrieben – hier war es nun zum ersten Mal andersrum: Ich saß in meiner Wohnung mit meiner Akustik-Gitarre vor dem Fernseher und wurde von dem, was ich sah, so inspiriert, dass ich zuerst die Texte schrieb. Deswegen ist das Album meiner Meinung nach auch viel lyrischer als seine Vorgänger.“ Neu war dieses Mal auch der Produzent – nicht dass THE SUBWAYS mit Butch Vig und seiner Arbeit unzufrieden gewesen wären (im Gegenteil, sie sind immer noch stolz darauf, die erste britische Band zu sein, mit der der US-Star-Produzent zusammengearbeitet hat), doch da Billy als Texter gereift ist und einige ernsthafte soziale Themen anspricht, sollte das Album nicht im fernen Hollywood-Land sondern dort entstehen, wo er diesen Problemen tagtäglich begegnet: in England. „Wir wollten, dass das Album nach Großbritannien klingt, und da kam eigentlich nur ein Produzent für uns in Frage: Stephen Street“, verrät Billy. Und da der Wille zur Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit beruhte, konnten die drei ihren ersten und einzigen Wunschkandidaten (der immerhin Koryphäen wie The Smiths, Blur oder die Kaiser Chiefs in seiner Vita stehen hat) tatsächlich an Bord holen.

Sowohl textlich als auch musikalisch haben THE SUBWAYS auf ihrem dritten Longplayer ein ideales Gleichgewicht gefunden. „Das Album hat die perfekte Heaviness und die perfekte Popness“, sagt Billy. „Ich wollte, dass jedes Stück eine potenzielle Hit-Single ist, weil wir diese Art Songs gerne live spielen und das Publikum so intensiv darauf reagiert.“ Dass dieses Vorhaben einmal mehr gelungen ist, bewiesen Billy & Co. in diesem Sommer im Rahmen ihrer frenetisch gefeierten Festival-Auftritte, bei denen sie auch erste Kostproben aus dem neuen Werk präsentierten: Die knackige Teaser Single „It’s A Party“ zum Beispiel, die Billy eigens fürs Live-Publikum geschrieben hat, als er allein in seinem Zimmer saß und sich nichts sehnlicher wünschte, als wieder in den Tourbus zu steigen.

Oder das groovige, mit einer großartigen Hookline aufartende „Celebrity“, das von einem Mädchen handelt, das so davon besessen ist, berühmt zu werden, dass es seinen Weg im Leben verliert – Billys Reaktion auf die unerträgliche Celebrity-Kultur unserer Zeit, in der talentlose Plastikgesichter reich und „berühmt“ werden, während die Finanzkrise hart arbeitende Menschen an den Rand des Abgrunds drängt. Auch zu diesem Thema liefert „Money and Celebrity“ einen Beitrag: das rockig-rotzige „We Don’t Need Money“, die erste Single, zu dem Billy inspiriert wurde, als er mit Freunden einen draufmachte und das Geld schnell versiegte, weil alle ihren Job verloren hatten.

„Wir brauchen kein Geld, um zu feiern“ wurde zum Motto jenes Abends, fand seinen Weg aufs Album und ist für die deutschen Fans sogar in einer Version mit deutsch eingesungenem Chorus als Bonus-Track enthalten – eine ähnliche Liebeserklärung haben THE SUBWAYS ihren deutschen Fans ja seinerzeit schon bei „Rock & Roll Queen“ gemacht. „Money and Celebrity“ – ein Album, so mannigfaltig wie ein Frühlingstag, so cool wie eine Winternacht, so aufwühlend wie ein Herbststurm und so herzerwärmend wie ein wunderschöner Sommerabend. Ein Album von THE SUBWAYS eben.

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