Maisie Peters

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Maisie Peters lädt uns in ihr Leben ein. Sie hat neben sich einen Sitzplatz auf der Northern Line freigehalten, ihre Jugendtagebücher nach Details durchforstet und platzt nun geradezu vor Geschichten und Geheimnissen, die sie mit uns teilen will.

"You Signed Up For This", das - man kann es nicht anders sagen - sensationelle Debüt der 21-Jährigen, ist eine Achterbahnfahrt durch...

Maisie Peters lädt uns in ihr Leben ein. Sie hat neben sich einen Sitzplatz auf der Northern Line freigehalten, ihre Jugendtagebücher nach Details durchforstet und platzt nun geradezu vor Geschichten und Geheimnissen, die sie mit uns teilen will.

"You Signed Up For This", das - man kann es nicht anders sagen - sensationelle Debüt der 21-Jährigen, ist eine Achterbahnfahrt durch ein junges, in vollen Zügen gelebtes Leben. Von Schultagen, die lieber in der Brighton Arcade verbracht wurden, bis zum Clubbing in Brooklyn mit geliehenen Ausweisen, von Dating-Enttäuschungen, Rachefantasien, Lieblingsfilmen, WG-Freundschaften und verkaterten Rückfahrten von Hauspartys - Maisies wirklichkeitsgetreue Geschichten sind Zeitkapseln voller Witz, Köpfchen und Klangeffekte.

"Alle Songs sind Momentaufnahmen aus meinem Leben zu bestimmten Zeiten", sagt Maisie dazu. "Den ältesten, ‚John Hughes Movie', habe ich mit 17 geschrieben und wenn ich ihn singe, versetzt er mich direkt in diese Zeit zurück. ‚Psycho' schrieb ich dieses Jahr mit Steve Mac und Ed Sheeran und hatte dabei das Ende der Covid-Beschränkungen im Hinterkopf. Es ist mein Festival-Banger, eine Hymne für die Partys, auf die wir alle zu gehen hoffen. Ich hatte einen absoluten Rappel von den Lockdowns und sehnte mich danach, rauszugehen und zu tanzen."

Seit Maisie im Alter von 17 Jahren als Straßenmusikerin in Brighton von Atlantic entdeckt und unter Vertrag genommen wurde, bei YouTube mit ihren eigenen Songs durchstartete und sich in Eigenregie eine treue Fangemeinde aufbaute, hat sie sich zu einer der meistbeachteten britischen Songwriterinnen der jüngsten Zeit entwickelt. Zu ihren zwei hochgelobten EPs gesellen sich ein Dutzend hochgelobte Singles, ausverkaufte Tourneen, prominente Fans wie Taylor Swift und Ed Sheeran und die Lorbeeren, als eine der jüngsten Komponist:innen jemals einen Mainstream-Soundtrack komponiert und kuratiert zu haben ("Trying" für Apple TV+). Kurz gesagt: die komplette Autodidaktin Maisie ist mit ihren 21 Jahren bereits atemberaubend weit gekommen.

Anfang letzten Jahres, als sie sich gerade auf die Aufnahmen ihres Debütalbums vorbereitete, erhielt Maisie eine Einladung von Ed: Ob sie Lust hätte, in seinem Studio in Suffolk gemeinsam an Songs zu schreiben? Sie hatte, und nicht nur das: die Zusammenarbeit erwies sich als so produktiv, dass Ed neben drei Songwriting-Credits auf "You Signed Up For This" das Album über sein eigenes Label Gingerbread Man Records veröffentlicht.

"Ich kenne Ed schon seit Ewigkeiten und er ist für mich zu einem Mentor geworden", sagt Maisie über den Superstar. "Niemand kennt dieses Business besser als er, denn er hat es gelebt und nach seinen eigenen Regeln erobert. Wir hatten uns jahrelang in den gleichen Kreisen bewegt und sogar teils mit denselben Produzenten zusammengearbeitet, aber nie zusammen geschrieben. Am ersten Tag in seinem Studio haben wir ‚Hollow' und ‚Boy' geschrieben, die es beide auf das Album geschafft haben. Später kam das Gespräch darauf, ob ich bei seinem Label unterschreibe, was sich sofort stimmig anfühlte."
 
"Als ich mit den Aufnahmen schon fast fertig war, begab ich mich noch einmal zu ihm, um die nächste Single zu schreiben. Sie sollte exakt das zum Ausdruck bringen, was wir in diesem Moment fühlten. Ich hatte den Titel ‚Psycho' und eine Idee über einen Ex, und der Rest ergab sich. Es ist definitiv eine andere Art von Song für mich. Ich habe normalerweise ein Faible für langsamere Songs, aber das ist mein Disco-Moment. Ich kann kaum erwarten, es live zu spielen."
 
Ein Großteil von "You Signed Up For This" wurde letzten Sommer in Suffolk und London aufgenommen, unter anderem im kleinen Studio von Maisies Stammproduzent Joe Rubel in Kings Cross. Zur selben Zeit waren die beiden mit dem Schreiben und Aufnehmen des "Trying"-Soundtracks zugange, für den sie James Bay, Griff und Bear's Den als Gäste gewinnen konnten.

"Verrückterweise passierte tatsächlich beides zur gleichen Zeit", berichtet Maisie, deren musikalischer Cameo in der ersten Staffel der Erfolgsserie die Produzenten so beeindruckte, dass sie die junge Künstlerin kurzerhand baten, die gesamte Musik für die zweite Staffel zu komponieren. "Mein Terminplan war abenteuerlich, da aber die Schreibprozesse so unterschiedlich waren, hat es trotzdem gut funktioniert. Für den Soundtrack gab es ein Drehbuch, dem wir folgen mussten. Ich habe Teile meines eigenen Lebens in die Lyrics geschmuggelt, doch die Geschichte an sich ist vorgegeben. Ich bin immer noch zu gleichen Teilen amüsiert und baff, dass ich überhaupt gefragt wurde. Es ist eine derartige Ehre. Ich habe in der Serie auch wieder einen Cameo. Beim letzten Mal war ich eine Straßenmusikerin. Diesmal singe ich auf der Bühne in einem Pub. Ich habe schon gescherzt, dass ich in der dritten Staffel im Wembley-Stadion auftreten möchte."

Als Maisie im Spätsommer letzten Jahres den Titeltrack des Albums schrieb, tat sie dies bereits in der festen Absicht, dass es der Eröffnungstrack werden sollte. Er ist eine kecke Selbstnotiz, gespickt mit Informationen und Einblicken in das Leben der damals 20-jährigen Maisie. Knallig bunte Popexplosionen sorgen auch klanglich für einen lebhaften Einstieg in das Album.

"Der Song ist wie ein Trailer für das Album, ein Gedankengang, der eine Momentaufnahme der Themen ist, die mir zu der Zeit im Kopf herumschwirrten", so Maisie. "Ich habe die erste Strophe eher im Scherz geschrieben - ‚I am 20, and probably upset right now, I still haven't got my drivers licence' - doch blieb dann einfach dabei. Ich singe davon, wie ich mit sechs Freundinnen und meiner Zwillingsschwester in mein jetziges Haus in London eingezogen bin und ich gehörigen Respekt vor allem habe, was kommt. Und dass draußen zu viele Käfer herumschwirren, um das Haus zu verlassen."

"Dann passierte natürlich das Verrückteste: ‚Drivers Licence' kam heraus und war ein riesiger Hit. Überall, wo ich hinging, hörte ich es. Als ob es mich verspotten würde. Hahaha!"
 
"You Signed Up For This" deckt ein breites Spektrum an Emotionen und Ereignissen ab, die mit Maisies Übergang von der Teenagerzeit in das Erwachsenenalter einhergehen. Die verträumte Schönheit von "Brooklyn" dokumentiert einen Urlaub, den Maisie und ihre Zwillingsschwester in New York verbrachten, von ihrem Shuttle nach Gatwick und Nudeln zum Frühstück bis hin zu einer unerwarteten Urlaubsliebe und den schon erwähnten Fake IDs.
 
"Jeder Song verarbeitet Erlebnisse aus meinem eigenen Leben, manche zu 100%, andere gemischt mit Inspirationen von anderswoher", so Maisie. "'Brooklyn' ist zu 100% so passiert. Der gefälschte Ausweis meiner Schwester gehörte Katy aus Michigan. Der gesprochene Part ‚He's fit/Go for it' waren Ellens Worte, als ich meine Urlaubsliebe im Club kennenlernte." Eher in die andere Abteilung fällt dagegen "Outdoor Pool", eine halb ausgedachte Geschichte über eine unerwiderte junge Liebe und nächtliches Schwimmen. "Ich habe nicht mit 15 meinen Schwarm im Freibad geküsst", gibt Maisie zu, "doch einiges davon ist so passiert. Ich, Joe und John Green sprachen damals über Skins und die britische Jugendkultur, ebenso über den Schüleraustausch nach Frankreich, Schließfächer in der Schule und die peinliche Situation, einen Schwarm im Supermarkt zu treffen, während du mit deiner Mutter einkaufen bist. Wir haben uns wirklich ins Zeug gelegt. Ich und zwei Männer, die buchstäblich weinten wegen dieser Geschichte eines Jungen, der sich in eine andere verliebt. Es ist so traurig!"
 
"Elvis Song" - in dem sich Maisie mehrstimmig selbst begleitet ¬¬- ist ein Oldie, der sich um die Brighton Arcade und einmal mehr um öffentliche Verkehrsmittel dreht. Das wunderschön zurückgenommene "Talking To Strangers" und das ergreifende "Love Him I Don't" erinnern an ihre Country-Pop-Wurzeln: Maisie, die sich an der akustischen Gitarre Gedanken über die Liebe macht.

In "I'm Trying" - der einzige Song, der während des Lockdowns remote geschrieben wurde - nimmt uns Maisie mit in das London des Jahres 2020, wo sie Jungs mit Gitarren auf dem Friedhof versammelt und sich gegenüber der Freundin eines Bekannten passiv-aggressiv verhält. Auch in "Villain" zeigt sie sich von ihrer schroffen Seite und ist mit ihrem Verhalten nicht weit von einer Stalkerin entfernt. Das rockige Stück ist von zwei ihrer Lieblingssongs inspiriert: "I'm On Fire" von Bruce Springsteen und "Between You and Me" von Brandon Flowers.

Das verspielte, von 90er-R&B inspirierte "Boy" und die eindringliche, von Streichern durchzogene Ballade "Hollow" sind die eingangs erwähnten Songs, die Maisie mit Ed an jenem schicksalhaften ersten Tag schrieb. Der erste handelt von selbstsüchtigen Boyfriends, der zweite - an dem außerdem Johnny McDaid mitschrieb - drückt hemmungslos auf die Tränendrüse und enthält Maisies liebste Songzeile auf dem Album: "You're the one that got away/And you got away with a lot".
 
Und dann gibt es da noch "Volcano", ein trügerisch lieblicher Song, mit dem sich Maisie erstmals in gesellschaftspolitische Gefilde vorwagt - ein deutlicher Indikator dafür, wie sehr sich ihr Songwriting entwickelt hat. "Es ist ein traurig-wütender Song über Leute, die nie die Konsequenzen für ihr Handeln tragen", sagt Maisie, die damit selbst ihre Erfahrungen machen musste. "Für viele Frauen ist das ein großes Thema und in den jüngsten Jahren ist ihre Wut an die Oberfläche gekocht. Es ist eine Mischung aus Wut und Traurigkeit - solange keine Gerechtigkeit herrscht, findet diese Sache keinen Abschluss. Meine Kollegin Gretta Ray singt die Harmonien. Und obwohl es ein eher zarter Country-Song ist, haben wir uns gemeinsam ziemlich in Rage gesungen."

Den Abschluss von "You Signed Up For This" bildet "Tough Act", ein ermutigendes Schulterklopfen mit der Botschaft: stay positive! "Ich war an dem Tag mal wieder in der U-Bahn unterwegs - wo sonst? - und ich hatte diesen Heureka-Moment, dass es den Abschluss des Albums bilden soll", erinnert sich Maisie. "Ich glaube, dass Frauen sich gegenseitig nicht genug würdigen. ‚Tough Act' handelt davon, einen Schritt zurück zu machen und zu erkennen, was man erreicht hat. In meinem Fall, dass ich stolz darauf bin, endlich mein Debütalbum aufgenommen zu haben. Lege ich damit die Latte für alle höher, die nach mir kommen? Ich hoffe es!"

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