Pa Salieu

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„Meine Stimme ist ein Instrument“, sagt Pa Salieu. Seit er Anfang des Jahres seine Rap-Hymne „Frontline“ veröffentlichte, hat sich der 22-Jährige aus Coventry zu einer führenden Persönlichkeit in Großbritanniens florierender Rap-Landschaft entwickelt. Bewaffnet mit einer unverwechselbaren melodischen Kadenz, die Einflüsse aus seiner gambischen Herkunft verarbeitet, hat Salieu seine Identität zu einer einzigartigen Spielart des Rap geformt, die ihm schnell breite...

„Meine Stimme ist ein Instrument“, sagt Pa Salieu. Seit er Anfang des Jahres seine Rap-Hymne „Frontline“ veröffentlichte, hat sich der 22-Jährige aus Coventry zu einer führenden Persönlichkeit in Großbritanniens florierender Rap-Landschaft entwickelt. Bewaffnet mit einer unverwechselbaren melodischen Kadenz, die Einflüsse aus seiner gambischen Herkunft verarbeitet, hat Salieu seine Identität zu einer einzigartigen Spielart des Rap geformt, die ihm schnell breite Aufmerksamkeit und Zustimmung einbrachte.

Er wurde in Slough geboren und verbrachte die ersten Jahre seines Lebens in der Stadt vor den Toren Londons, die durch Industrieanlagen und Fabriken geprägt ist. Seine Eltern waren aus Gambia, einem kleinen Land am äußersten Rand Westafrikas, nach England ausgewandert. Sie benannten ihn nach dem ältesten Bruder seines Vaters, Pa Salieu, ein Polizeibeamter daheim in Gambia, der mit Anfang zwanzig starb. Als ihr Sohn geboren wurde, wurde der Name an ihn weitergetragen. Und als der Moment kam, in dem er mit dem Veröffentlichen von Musik begann, behielt er seinen echten Namen bei. „Ich habe nichts zu verstecken“, sagt er. „Ich bin stolz auf meinen Namen“.

Vor seinem ersten Geburtstag schickten ihn seine Eltern zurück nach Gambia, um mit seiner Großmutter zu leben. Seine prägenden Jahre verbrachte er somit in einem Haushalt mit seinen ältesten Verwandten – eine wegweisende Phase in seinem Leben, wie er sagt. In Gambia fand er eine „militärische Geisteshaltung“ vor, die ihm von beiden Seiten seiner Familie vorgelebt wurde. Ihr Wohnzimmer diente als Moschee, in der er täglich mehrere Stunden religiösen Praktiken nachzugehen hatte. „Es hat mich viel Disziplin gelehrt“, sagt er. „Tagtäglich dieselben Routinen auszuführen hat mich für mein weiteres Leben geprägt. Es ist gut, dass ich nach Gambia geschickt wurde, ich weiß viel über meine Familie und meine Kultur. Jeden Nachmittag luden wir die Nachbarn von links und rechts zum Essen ein. Wir bereiteten große Platten vor und jeder kam, um miteinander zu essen und zu teilen.“

Als er zehn war, holte ihn seine Mutter zurück nach England. Sie zogen nach Hillfields, eine Vorstadt im Norden von Coventry, von der er nichts als Hochhausblöcke erinnert. Das neue Zuhause sollte ihm letztlich zu seiner eigenen Musikkarriere inspirieren und steht im Mittelpunkt seines Durchbruch-Songs „Frontline“. Veröffentlicht im Januar und produziert von Jevon, legt Salieu darin hypnotisierende Vocals über ein rumpelndes, eindringliches Instrumental. In den Strophen erzählt er Geschichten aus der Nahkampfzone Coventry und dokumentiert die Nachbarschaft, in der er groß wurde. Der Song gibt einen anschaulichen Einblick in die sozialen Brennpunkte des Landes und nimmt uns mit an ihre „Frontline“.

„Willkommen in dem Leben, das ich gesehen und erlebt habe“, sagt Salieu über den Song. „Ich wollte zeigen, wo ich herkomme. Das Video ist wie eine Doku, um euch zu zeigen, was dort abgeht.“ Er sagt, dass er „Frontline“ in 20 Minuten schrieb. Das Musikvideo wurde bei YouTube über Mixtape Madness veröffentlicht und seitdem über drei Millionen Mal angesehen, der Song steht bei über vier Millionen Spotify-Streams. „Frontline“ markierte die Ankunft eines aufregenden britischen Talentes, dessen unkonventioneller lyrischer Stil nicht in bestehende Genre- und Sound-Schubladen passt. „Frontline“ ist bisher der meistgespielte Track des Jahres 2020 bei BBC 1Xtra, Reprezent Radio und Rinse FM und zählt u.a. Virgil Abloh, OVO-Mitbegründer Oliver El-Khatib, Annie Mac von BBC Radio 1, Tiffany Calver, Benji B, FKA Twigs und Nick Grimshaw zu seinen Fans.

Die dunklere Seite der Hood und der Stadt, die sich durch Salieus Katalog zieht, ist Ausdruck einer Widerstandsfähigkeit, die ihn geformt hat. Aus Coventry kommend, sagt er: „Ich weiß das Leben sehr zu würdigen. Ich würdige Geld, würdige Gesundheit. Das ist viel wert.“ Doch dann gibt es da eine Musikalität und Melodie, die mit seinen Lyrics verwoben ist. Sie geht zurück auf die gambischen Hallenpartys und afrikanischen Versammlungen, an denen er als Kind teilnahm, Geburtstagsfeiern und Hochzeiten mit Tanten, die bis in den späten Abend hinein sangen.

Dann, als er in die weiterführende Schule kam, klaute er einen MP3-Player von einem seiner Cousins. Er enthielt nur ein paar Songs, hauptsächlich Vybz Kartel und Dancehall, sodass er monatelang Kult-Klassiker wie „Touch Ah Button“ hörte, bis das Gerät schließlich seinen Geist aufgab. Der Hunger auf das Entdecken frischer Klänge, die seine Palette erweitern würden, war geweckt. Aktuell zählt er Künstler wie Stevie Wonder, südafrikanischen Deep House und „Afro-Beats aus Ländern quer über den Kontinent“ zu seinen musikalischen Inspirationen.

Zum Musikmachen kam er durch Zufall. In seinen Teenagerjahren hatte Pa damit begonnen, Gras zu verticken, und eines Nachmittags war er auf dem Weg zu einem Stammkunden. Der Mann hatte ein kleines Studio in seiner Wohnung eingerichtet und dort geschah es, dass er seinen ersten Freestyle schrieb und aufnahm. Als er im Kasten war, nahm er ihn mit nach Hillfields, um ihn Freunden vorzuspielen. Die Reaktionen waren überwältigend positiv und so machte er weiter, freestylte Songs und lud sie bei Instagram hoch.

Nach „Frontline“ behielt Salieu den Schwung mit einer Reihe von Feature-Strophen bei, unter anderem auf dem Track „Hit the Block“ von SL aus South London, zusammen mit Meekz, M1llionz und Teeway auf „Year of the Real“ und in einer neuen Remix-Version von „Party Popper“ an der Seite von Backroad Gee und Ambush. Dazu kamen im Verlauf des Jahres weitere eigene Tracks wie „Betty“, „Bang Out“, „My Family“, „B***K“ und „Block Boy“. Salieus Strophen haftet ein instinktgeleiteter Realismus an, der einen starken Eindruck bei seinen Hörern hinterlässt, besonders bei jenen, die in ähnlichen Umständen aufwuchsen wie er selbst. „Ich will die Leute aufbauen“, sagt er. „Du willst nicht in einem Drogenverschlag enden, diese Karriere solltest du dir ersparen. Es ist eine Warnung. Ich bin hier, um die Leute zu warnen, indem ich meine Geschichte erzähle.“

Tatsächlich kennt er diese Realitäten aus eigener Erfahrung. Sein Leben war nicht frei von Schwierigkeiten. Im Oktober 2019 war er das Opfer einer Schießerei in Coventry, bei der ihn zwei Kugeln im Kopf trafen. „Ich hätte sterben können“, sagt er. Der Vorfall stärkte seine Entschlossenheit und gab ihm weitere Klarheit über das, was ihm im Leben wichtig ist. „Arbeite härter, man“, sagt er. „Nichts ist garantiert. Meine Zeit war noch nicht gekommen. Ich verlasse diese Welt nicht, ohne gereist zu sein“.

Neben dem Reisen will er auch der Community seiner Familie in Gambia etwas zurückgeben und hat langfristige Pläne, ihnen mit Infrastruktur und Bildung unter die Arme zu greifen. „Alles, was ich tue, ist für die Heimat“, sagt er. Doch nun steht erst einmal die Veröffentlichung seines ersten Mixtapes „Send Them To Coventry“ an. Denn auch Coventry will er etwas zurückgeben, Kids wie ihm, die mit Träumen von einer Musikkarriere aus der Stadt kommen und denen es auf die Sprünge zu helfen gilt. „Wir müssen es für die Leute einfach leichter machen, in die Musik zu kommen“, sagt er. „Es kann ihr Leben verändern.“

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